Dreifach unschön

Tag 43 Leon – Villadangos del Paramo 22,0 km

Dienstag, 7. Juli 2015, Tag 43

Kaum hatten wir gestern Nachmittag den Rückflug gebucht und die Buchungsbestätigung erhalten, meldete sich bei Anne „Montezumas Rache“ auf heftigste Art und Weise. Hatten wir bis auf ein Erfrischungsgetränk mit Eis den ganzen Tag das gleiche gegessen und getrunken, blieb ich zum Glück verschont. Da Anne den ganzen Nachmittag und bis in die frühe Nacht damit beschäftigt war, fehlte ihr heute Morgen die Kraft die Etappe nach Villadangos del Paramo mit zu gehen. So blieb sie alleine bis nach 10.00 Uhr auf dem Zimmer, schlief noch ein wenig und kam dann mit dem Taxi nachgefahren.

Ich verließ um kurz vor acht unsere Unterkunft und machte mich allein auf den Weg. Ging es zunächst noch endlos durch die Stadt, führte der Weg anschließend in unmittelbarer Nähe zur Nationalstraße 120. Diese scheint eine Hauptverkehrsachse in Ost – Westrichtung zu sein, obschon auch die Autobahn nicht weit entfernt parallel hierzu verläuft. Auf jeden Fall ist auf dieser Nationalstraße ein fürchterlicher Verkehr und Lärm von Autos und LKW´s.

Wäre wenigstens die Landschaft ansprechend, so hätten wenigstens die Augen etwas schönes zu sehen. Stattdessen nur Brach- oder Ödland mit vereinzelten Büschen oder Baumgruppen. Als wenn das nicht schlimm genug wäre, geht der Weg auch immer wieder durch Industriegebiete, die auch nichts Anschaubares liefern. Erst unterwegs habe ich eine Alternativroute entdeckt. Diese ist leider in unserem Reiseführer nicht angegeben und führt auch nicht durch Villadangos del Paramo, wo wir unsere heutige Unterkunft vorgebucht haben.

Um aus der Not eine Tugend zu machen, habe ich den Turbo eingelegt und bin die Strecke bis auf zwei kleine Trinkpausen, im mir höchst möglichen Tempo gegangen. So war ich bereits um 12.25 Uhr an unserer heutigen Unterkunft, wo Anne mich schon erwartete. Dieses Tempo könnte ich auch nicht jeden Tag laufen, und mit Anne schon gar nicht.

zu lange Pause  wer zulange Pause macht, erstarrt in Bronze

Störche lieben Glockentürme  die Störche hier lieben Glockentürme

hier macht Laufen keinen Spaß  hier macht Laufen keinen Spaß

nichts zu entdecken  nichts schönes für die Augen

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Rückreise gebucht

Tag 42 Besichtigung Leon

Tag 41 Mansilla de las Mulas – Leon 18,3 km

Montag, 6. Juli 2015, Tag 42

Als wir uns um 9.30 Uhr auf den Weg zur Kathedrale machten, waren wir bestens ausgeschlafen und hatten auch schon ein sehr gutes Frühstück genossen. So gestärkt waren wir für eine ganze Reihe von Besichtigungen aufgelegt, hatten die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Kathedrale und Kirchen sowie Panteon und Museum von San Isidoro waren geöffnet, alle anderen Museen sind montags geschlossen. Anne war doch etwas enttäuscht. So blieb uns wieder viel Zeit, nach den erwähnten Besichtigungen, durch die Straßen zu streifen, das ein und andere Erfrischungsgetränk einzunehmen und gegen 16.00 Uhr wieder unser Zimmer aufzusuchen. Hier legten wir die restlichen Etappen fest und erkundigten uns schon einmal nach Rückreisemöglichkeiten. Letztendlich haben wir dann den Rückflug in die verbotene Stadt gebucht. Hoffentlich sind wir nicht zu optimistisch an die letzten 430 km gegangen. Jetzt müssen wir da durch.

Sonntag, 5. Juli 2015, Tag 41

Die 18,3 Kilometer spulten wir in bereits gewohnter Routine ab. Bis auf eine kurze Trinkpause, legten wir nicht einmal eine größere Pause ein.

So erreichten wir bereits um 11.45 Uhr unsere Unterkunft in Leon. Frühes Eintreffen der Gäste ist nicht gerne gesehen und vereinbart. Wenigstens durften wir unsere Rucksäcke in einem gesicherten Raum abstellen und wurden bis mindestens 13.00 Uhr vertröstet. In die Altstadt weiterlaufen wollten wir nicht, also entschieden wir uns in einer benachbarten Bar das Ankunftsradler vorzuziehen. Geschickt wie die Spanier sind, wurde uns zu den Radlern auch noch zwei kleine Tappas gratis serviert. Schwupps waren die Happen weg und der Hunger kam. Also bestellten wir noch weitere Kleinigkeiten.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen und das übliche Ritual vollzogen war, machten wir uns gegen 17.00 Uhr zu einer ersten Erkundungstour in die Altstadt auf. Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale und andere, wollten wir erst am Montag besichtigen. So schlenderten wir durch die Stadt, tranken hier und dort ein wenig, ließen das Flair der Stadt auf uns einwirken und aßen schließlich noch etwas zu Abend. Als das Leben in der Altstadt so richtig zu pulsieren begann, waren wir schon auf dem Weg ins Bett.

letzter Anstieg vor Leon  letzter Anstieg vor Leon

Kathedrale von Leon  die Kathedrale Santa Maria de Leon

Bau von Gaudi  das Gebäude von Gaudi in Leon

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Meseta eben nicht geschafft

Tag 40 El Burgo Ranero – Mansilla de las Mulas 20,2 km

Tag 39 Sahagun – El Burgo Ranero 18,7 km

Samstag, 4. Juli 2015, Tag 40

Nur noch zwei kurze Etappen und wir haben das nächste große Ziel, León, erreicht. Der heutige Weg, den wir um 7.45 Uhr begannen, ist keinen Deut besser, als der gestrige. Die einzige Freude biete wieder der grüne Lindwurm, der sich entlang unseres Weges erstreckt. Ich habe aus Spaß und Langeweile einmal an dem weitesten Punkt, den wir sehen konnten, Zeit und Kilometermäßig gestoppt. Wir brauchten 45 Minuten oder gut 3,5 Kilometer bis wir den ins Auge gefassten Baum erreichten. Ansonsten wieder endlose Weite, ein paar eingefallene Lehmbauten und ein paar Aufforstungen von Platanen, sonst nichts.

Unsere Unterkunft in Mansilla de las Mulas ereichten wir um 13.15 Uhr. Ein Radler zur Ankunft, Track hochladen, ein paar Nüsse als Mittagessen, schlafen.

Gegen 17.00 Uhr starteten wir dann zu einer Besichtigungsrunde durch den interessanten Ort. Die Stadtmauer aus dem 11. Jahrhundert ist weitestgehend erhalten. Sie wurde am Rande des Flusses Esla aus Flusskieseln erbaut. Wie die meisten Flüsse, die wir bisher überquert haben, führt auch die Esla kaum Wasser. Wir vermuten, dass das Wasser in das weit verzweigte Netz der Bewässerungskanäle abgeleitet wird. Diese führen zum Teil mehr Wasser, als die größeren Flüsse.

Freitag, 3. Juli 2015, Tag 39

Zu früh gefreut. Kaum hatten wir Sahagun um 8.10 Uhr verlassen, wurde unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt. Die zu laufenden Kilometer waren stink langweilig. Wieder endlose Weite mit hier und da ein paar Bäumen, aber nichts, voran das Auge sich hätte festhalten können. Der schön angelegte Schotterweg entlang einer kaum befahrenen Landstraße, hatte sogar an seiner linken Seite in regelmäßigen Abständen Platen zu bieten. Die größeren und älteren Bäume spendeten auch etwas Schatten auf den Weg. So weit so gut. Ansonsten gab es nichts, außer endloser Weite und dem endlosen grünen Lindwurm der Platanen zu sehen. Zur Erfrischung flaute noch aus Westen ein Windchen auf, das sich je später der Nachmittag, fast zu einem Sturm entwickelte. Uns störte das nicht weiter, hatten wir nach ausgedehnter Pause zwischendurch, unsere Unterkunft gegen 13.00 Uhr erreicht.

Da wir beide großen Hunger hatten und ein Restaurant angeschlossen war, wollten wir eine Kleinigkeit essen. Die Kleinigkeit war dann aber so groß, dass wir sogar auf das Abendessen verzichteten. Der nachmittägliche Spatziergang durch El Burgo Ranero war mehr als trostlos. Der Ort, der außer unserem etwas außerhalb gelegenen Restaurants nur noch über ein nicht besuchtes Cafe´ verfügte, wirkte wie eine trostlose Geisterstadt aus einem schlechten Western. Alte, verfallene und teilweise eingestürzte Lehmhäuser standen neben scheinbar unbewohnten „moderneren“ Häusern. Wir haben den Grund noch nicht heraus bekommen, aber vor vielen Eingangstüren stehen ca. 80 cm hohe Bretter oder Bleche, die das Betreten oder Verlassen der Häuser nicht möglich machen. Ist das Wetter- sprich Wasserschutz bei plötzlich eintretenden Gewittern, oder was sollen sie abhalten? Wir wissen es nicht.

Den restlichen Nachmittag, Abend, verbrachten wir wie immer, Wäsche waschen, lesen, schlafen.

Um einen Blog zu schreiben, war ich wirklich zu unmotiviert, Zeit wäre ausnahmsweise mehr als genug gewesen.

auch ein schöner Anblick schöner Anblick und Donkey schau um die Ecke

eingefallenen Lehmbauten  eingefallene Lehmbauten

großer Bewässerungskanal  großer Bewässerungskanal

Stadtmauer von Mansilla de las Mulas  Stadtmauer von Mansilla de las Mulas, beachtenswert wie die Flusskiesel in Lagen gelegt sind. Dickere Steine gibt es in der Region nicht.

antike Säulenhäuser am Brunnenplatz  antike Säulenhäuser am Brunnenplatz von Mansilla de las Mulas

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Meseta geschafft

Tag 38 Calzadilla de la Cueza – Sahagun 22,4 km

Tag 37 Carrion de los Condes – Calzadilla de la Cueza 16,8 km

Tag 36 Fromista – Carrion de los Condes 20,7 km

Donnerstag, 2. Juli 2015, Tag 38

Während unsere Lieben in Köln bei Temperaturen bis 37° C auf eine harte Probe gestellt werden, durften wir einen der schönsten Tage bisher erleben. Als wir unsere Unterkunft um 7.20 Uhr verließen, zeigte das Thermometer frische 15° C an und erreichte bis 13.15 Uhr als wir unsere nächste Unterkunft erreichten, angenehme 26° C. Dazu zogen im frischen Wind, der uns stetig ins Gesicht blies, schneeweiße Schäfchenwolken zügig am Himmel und schenkten uns immer wieder kurzfristigen Schatten, den uns die fehlenden Bäume am Wegerand vermissen ließen.

Die Meseta verlor heute ihren Schrecken für uns, wurde doch die endlose Weite durch die ersten Hügel gebrochen. Mit den ersten Hügeln veränderte sich auch wieder die Landschaft. Dominierten in den letzten Tagen die Getreidefelder und sorgten mit ihrem goldbraun für ein eintöniges, ermüdendes Landschaftsbild, das auch die vereinzelten Baumgruppen nicht zu durchbrechen vermochten. Waren die Parzellen bisher riesig gewesen, wurden sie jetzt kleiner, überschaubarer und abwechslungsreicher. Hatte sich bisher lediglich mal die Getreideart geändert, änderte sich jetzt alles. Abgeerntete Getreidefelder standen neben noch nicht abgeernteten Getreidefeldern, Grasland stand neben trocknendem Heu, das seinen würzigen Duft verbreitete, riesige, noch grüne Sonnenblumenfelder wechselten sich mit bereits zaghaft blühenden Sonnenblumenfeldern ab. Dazwischen immer wieder bereits umgemachte oder bereits gepflügte Felder, die in ihren unterschiedlichen Braun- bis Rottönen für ein abgerundetes Farbbild sorgten.

Es war reine Freue, die Natur auf dem 22 km Spaziergang so zu erleben. Auch hatten wir durch unseren späteren Start heute Morgen, ein Zeitfenster erwischt, in dem nur Wenige unterwegs waren. Ich hatte gestern Abend noch spät die lokalen Wetterdaten abgerufen und ob der kühleren Temperaturen einen späteren Start für heute vorgeschlagen. Vermutlich waren viele heute durch den plötzlichen, aber angenehmen Temperatursturz überrascht worden, als sie wieder zur frühen Stunde aufbrachen, um der Hitze zu entgehen.

Als wir um 13.15 Uhr an unserer Unterkunft ankamen, genehmigten wir uns, nachdem wir unsere Rucksäcke im Zimmer verstaut hatten und die schweren Wanderschuhe mit leichten, luftigen Sandalen getauscht hatten, ein kühles, erfrischendes Radler. Dazu vier Sorten Tappas und der Mittag war gerettet. So kann, darf, sollte es weitergehen. Nach einem erholsamen Mittagsschläfchen und dem täglichen Wäschewaschen erkundeten wir bei einem Spaziergang noch die Sehenswürdigkeiten Sahaguns, bevor wir uns das Abendessen schmecken ließen. Bei der obligatorischen Flasche Rotwein ließen wir den Tag ausklingen.

Mittwoch, 01. Juli 2015, Tag 37

Auf Grund der doch geringen Distanz unserer heutigen Etappe, machten wir uns erst um 7.15 Uhr auf den Weg. Frühstück gab es wieder nicht, das Restaurant öffnet erst um 8.00 Uhr. Wieder mit Banane und Nektarine bewaffnet, geht es auf einen ätzenden Weg. Zwar sehen wir Bäume, aber keinen der uns etwas Schatten spenden könnte. Dazu führt der Weg immer gerade aus. Mal gerade zwei kleine Krümmungen, die verhindern, dass wir unser Ziel nicht schon mehr als eine Stunde vor erreichen sehen können. Dazu die unendliche Weite der Meseta. Man kommt sich wie eine Ameise auf einer Ameisenstraße vor.

Unsere Unterkunft erreichten wir bereits um 11.15 Uhr. Zum Glück hatten wir reserviert, denn viele andere Pilger hatten die gleiche Idee wie wir und wollten hier die heutige Tour beenden. Es gibt zwar in den nächsten Orten Unterkünfte, aber nur die von uns nicht geliebten Massenunterkünfte. Das nächste Hostal ist in ca 22 km in Sahagun, für heute noch zu weit.

Bemerkenswert war heute der Canada Real Leonesa, ein ca. 50 Meter breiter überregionaler Viehtriebweg. Auf diesen Canadas wurden einst Weidetiere aus dem trockenen und heißen Süden Spaniens, zu den Sommerweiden nach Norden und im Herbst wieder zurück getrieben.

Der Ort Calzadilla de la Cueza ist ein kleines gottverlassenes Nest, in dem nichts zu besichtigen oder zu tun ist. Selbst das Internet versagt meistens seinen Dienst. Also vertreiben wir uns die Zeit mit Schlafen und Lesen.

Dienstag, 30. Juni 2015 Tag 36

Bereits um 6.00 Uhr starten wir unseren heutigen langweiligen Weg, immer an einer Straße entlang. Da unsere Unterkunft erst Frühstück ab 8.00 Uhr anbietet, entscheiden wir uns für Banane und Nektarine aus der Hand. Wir wollen wieder so früh unterwegs sein, da Temperaturen bis 38° C gemeldet sind.

So erreichen wir den Ort Carrion de los Condes bereits um 12.00 Uhr. In der Bar am Dorfplatz genehmigen wir uns erst einmal ein großes Radler, unsere Unterkunft hat erst ab 13.00 Uhr Einlass. Nach einchecken, frisch machen, einem weiteren Radler halten wir erst einmal Siesta bis 16.00 Uhr. Danach steht die ausgiebige Besichtigung des königlichen Klosters von San Zoilo auf unserem Programm. Mit einem vorzüglichen Abendessen und einer noch besseren Flasche Rioja lassen wir den Tag ausklingen.

Ameisenstraße  auf der Ameisenstraßen

wechselnde Farben  wechelndes Farbenspiel

Sonnenblumenfeld  Sonnenblumen lachen uns entgegen

Kuriositäten am Wegrand  naja, Kuriosität am Wegesrand

roter Vollmond  Hilfe, roter Vollmond, vielleicht ärgere ich mich deshalb unentwegt über unsere Unterkunft.

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Beginn der Meseta

Tag 35 Castrojeriz – Fromista 25,4 km

Montag, 29. Juni 2015, Tag 35

Der Hitze war heute nicht zu entfliehen. Bereits um 6.00 Uhr, als wir unsere heutige Etappe begannen, zeigte das Thermometer 16° C. Trotzdem macht es Spaß, so früh unterwegs zu sein. Die frische, klare Luft, das diffuse Licht, nicht hell, aber auch nicht dunkel, es ist einfach eine besondere Stimmung.Nach verlassen des Ortes Castrojeriz mussten wir erst einmal den Anstieg auf das ca. 170 Meter hohe Hochplateau erklimmen. Das Straßenschild wies eine 10% Steigung auf 1050m Kurvenreiche Strecke aus. Betriebstemperatur war also wieder schnell erreicht. Kaum waren wir oben, mussten wir den Hügel mit 18% Gefälle auf 350 Meter wieder hinunter, weniger schön zu laufen. Danach waren die restlichen 20 Kilometer recht flach, dafür aber weitestgehend schattenlos. Hier und da standen ein paar Bäume in der Landschaft, aber ihren Schatten schenkten sie uns nicht. Schön waren die letzten 5 Kilometer entlang eines breiten Bewässerungskanals zu laufen. Die größeren der am Rande stehenden Bäume schenkten uns dann auch wieder etwas Schatten.

Es ist schon beeindruckend, durch die beginnende Meseta zu laufen. Goldene Getreidefelder so weit das Auge reicht. Hatten wir uns im letzten Jahr schon über die riesigen Getreidefelder im Baltikum gewundert, übertreffen die hiesigen Felder alles bisher gesehene.

Bereits um 12.30 Uhr ereichten wir trotz einstündiger Pause an einem schattigen Plätzchen an einer Pilgerherberge, unsere heutige Unterkunft. Leider war diese erst ab 13.00 Uhr geöffnet, sodass wir uns die Wartezeit bei einem kühlen Radler in der benachbarten Bar vertreiben mussten. Nach einer ausgiebigen kalten Dusche haben wir den Nachmittag bis 18.00 Uhr einfach verschlafen. Was soll man auch bei Temperaturen bis 38°C auf der Straße. Dann noch ein paar Besorgungen für den nächsten Tag gemacht, mit dem nächsten Radler die Wartezeit bis zum Abendessen überbrückt und pünktlich um 19.30 Uhr die Bestellung für unser Pilgermenue im benachbarten Restaurant aufgegeben. Die Pilgermenues sind schon klasse. Aus jeweils vier bis fünf Varianten wählt man Vorspeise, Hauptgericht und Dessert aus, dazu Brot, eine 1,5 l Flasche Wasser und eine 0,7 l Flasche Landwein für 9,- – 12,- €, je nach Ort. In der Regel ist das Essen sehr schmackhaft und sättigend, vereinzelte, aber wirklich vereinzelte Ausnahmen bestätigen die Regel.

Morgen früh geht es auch wieder um 6.00 Uhr auf Tour, die Temperaturen sollen weiter steigen.

18vH Gefälle  weder rauf noch runter schön zu laufen

Meseta unendliche Weite  beginnende Meseta, die unendliche Weite

5 km am Kanal entlang  5 km an einem der größten Bewässerungkanäle entlang nach Fromista

Schleuse bei Fromista  nicht schiffbare Schleuse vor Fromista

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Der Hitze entflohen

Tag 34 Tardajos – Castrojeriz 31,1 km

Sonntag, 28. Juni 2015, Tag 34

Bereits um 6.02 Uhr standen wir heute Morgen abmarschbereit vor unserer Unterkunft. Es war noch nicht hell, aber auch nicht mehr dunkel. Der Sonnenaufgang sollte laut Wetterbericht erst in einer halben Stunde sein. Die Temperatur war angenehm frisch und so liefen wir, mangels Frühstück, mit einer Banane in der Hand los. Die Nacht war kurz und unruhig, bis ca. halb drei feierten Gäste im Lokal unserer Unterkunft. Ab 4.30 Uhr packte der erste Mitgast seine Sachen, um um 5.00 Uhr die Unterkunft zu verlassen. Vom Lärm geweckt, fing dann auch ein nächster Gast an zu packen. Unser Wecker brauchte dann um 5.30 Uhr keinen Laut mehr von sich zu geben, wir waren ja schon wach.

Es war noch etwas frisch, als wir uns auf den Weg begaben, doch gleich hinter Tardojos galt es eine Anhöhe zu erklimmen. Betriebstemperatur war also schnell erreicht. Da wir einen Hügel umliefen erlebten wir einen fantastischen Sonnenaufgang erst um 7.00 Uhr. Nun hieß es schneller als die Hitze zu sein. Waren unsere Schatten zu Anfang bestimmt sieben bis acht Meter lang, verkürzten sie sich zusehends bis auf weniger als fünfzig Zentimeter.

Der Weg als solcher verlief meistens an einem Hügelrücken entlang, ohne schattenspendenden Baum oder Strauch. Man konnte an manchen Stellen die schwierigen Versuche der Aufforstung erkennen, denn viele kleine Kiefern waren bereits wieder vertrocknet. Oftmals konnten wir sehen, wo wir zwei Stunden später oder mehr, entlanglaufen mussten. Ein besonderst frustrierender Moment war, als wir in weniger als 500 Meter in eine Ortschaft kommen sollten, diese aber nicht sehen konnten. Urplötzlich viel das Gelände steil ab und der Kirchturm erschien.

Zum Glück ging der Weg auf den letzten fünf Kilometern durch eine ehemalige Allee. Die noch verbliebenen Bäume spendeten dankbar ihren Schatten und so erreichten wir unsere Unterkunft in Castrojeriz bereits um 14.15 Uhr, nach 31,1 km. Die Temperatur steigerte sich im Laufe des Tages auf 34° C und es soll noch heißer werden.

Sonnenaufgang bei Tardajos  fantastischer Sonnenaufgang als Belohnung für frühes Aufstehen

plötzlich erscheint Hontanas  an einem steilen Abhang erscheint nach 21 km Hontanas

Schuhe als Kunstwerk  oft gesehene Kunstwerke, Schuhe, die ihren Dienst verweigern

Castrjeriz mit Burg  unser Etappenziel, Castrojeriz mit Burg, doch bis dahin ist es noch fast eine Stunde

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Ruhetag in und nach Burgos

Tag 33 Burgos – Tardajos 11,3 km

Tag 32 Besichtigung Burgos

Samstag, 27. Juni 2015, Tag 33

Nach unruhiger Nacht konnten wir heute etwas länger schlafen, denn Frühstück gab es erst ab 8.00 Uhr und unsere geplante Etappe war nur 11 km lang. Leider müssen wir zwischendurch immer wieder solch kurze Etappen einlegen, aber die von uns bevorzugten Zweibettzimmer stehen nicht immer zur Verfügung, oder die Entfernung ist uns zu weit. So halten wir es mit: “Langsam kommt auch ans Ziel“. So ereichten wir bereits um 11.30 Uhr unser heutiges Etappenziel. Nicht schlimm, steigt das Thermometer doch wieder weit über die 30°C. So liegen wir entspannt auf den Betten, genießen das Nichtstun, lesen ein wenig und warten darauf, morgen früh um 6.00 Uhr auf eine 30 km Etappe zu gehen. So wollen wir der Hitze des morgigen Tages ein Schnippchen schlagen.

Die Landschaft wurde heute schon merklich karger. Zwar wird noch ein wenig Getreide angebaut, doch an den Hügelhängen wächst nur niedriges Gestrüpp. Auch der Schatten machte sich heute schon recht rar.

Freitag, 26. Juni 2015, Tag 32

Den Cava ließen wir uns Donnerstagnachmittag nach einem ausgedehnten Spatziergang in einem netten Lokal schmecken. Anschließend fanden wir auch eine urige Tapasbar, die überwiegend von Einheimischen aufgesucht wurde und eine Vielzahl leckerer Tapas anbot. Für das Nachtleben in Burgos hatten wir dann keine Augen mehr und waren wieder früh zu Bett.

Freitagmorgen besichtigten wir ausgiebig die Kathedrale von Burgos. Mit Hilfe eines Audioguides bekamen wir ausführliche Informationen sodass die Zeit wie im Fluge verging. Danach schlenderten wir noch längere Zeit durch Burgos, besichtigten das ein und andere, machten die ein und anderen Einkäufe, ließen es uns hier und da schmecken und waren am frühen Nachmittag wieder auf unserem Hotelzimmer. Hier organisierten wir unsere weiteren Unterkünfte bis Astorga, zwei Tagesmärsche hinter Leon.

Am frühen Abend waren wir dann wieder auf dem Platz Mayor, denn hier wurde am Abend die Fiesta de Tapas eröffnet. Wir waren früh genug, um auf der Terrasse einer Bar einen Platz an einem Tisch zu bekommen. Leider habe ich nicht begriffen worum es bei dem Fest ging. Menschenmassen kamen zusammen, um Sitzplätze wurde gestritten, die wenigen freien Stühle in den Bars oder Cafe´s einander aus den Händen gerissen, lange laute Reden gehalten, Schärpen an Mädchen und junge Frauen in Trachten überreicht, mit Inbrunst die Burgoshymne gesungen, gelacht, geklatscht, getanzt und das alles vom Fernsehen nicht nur auf eine Großleinwand übertragen. Als wir schon wieder im Bett lagen, wurde direkt vor unserer Unterkunft ein spektakuläres Feuerwerk gestartet. Wir hatten Logenplätze an unserem Fenster. Leider konnten wir auch der Livemusik bis nach halb drei bei geschlossenem Fenster problemlos folgen. Ruhig schlafen war etwas schwierig.

Kathedrale von Burgos die Kathedrale von Burgos erinnert an den Kölner Dom, aber der ist noch schöner

Burgos Tappasfiesta hier ist der Platz noch leer, die Festbühne, die Fernsehbühne und die Übertragungsleinwand sind noch zu erkennen

typisches Pilgerkreuz typisches Pilgerkreuz auf dem Weg nach Tardajos

Storch Störche gibt es hier sehr viele, der ließ uns bis auf 5 m heran

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Erstmal „Hallo“ zusammen!

DonkeykleinNach über 600 getrabten Kilometern melde ich mich nun auch mal zu Wort. Es war für mich – abgesehen von den Hitzewellen – eine angenehme Unternehmung: sitze ich doch sehr bequem mit Rundumblick in der Seitentasche von Annes Rucksack. Insgesamt sind wir ein trautes Team, das zufrieden vor sich hin trottet. Regen hat sich bisher wenig herabgelassen, dafür brüllt die Sonne umso mehr. In Frankreich haben die Kühe das Privileg, bei großer Hitze im Stall, sprich im Schatten, stehen zu dürfen. Wir talpen durch die Hitze und ich muss mir die verwunderten Blicke und erstaunten Kommentare meiner Mittiere anhören. Nicht immer schmeichelhafte Worte! Aber wir haben ja ein Ziel, bei Regen, Wind und Wetter – auch bei Sonne und überhaupt: Wetter ist immer!

Auf der Etappe über die Pyrenäen haben wir kaum etwas gesehen, da der Nebel alles einhüllte. Die Landschaft soll ja schön sein, … aber wenn man nix sieht… Dafür haben wir viel Gebimmel und Geblöke gehört. Als sich die Tonlage der Glocken einmal änderte, meinte Hans, dass jetzt wohl auch Kühe unterwegs seien. Das prompt aus dergleichen Richtung folgende Schafsgeblöke wurde von Hans dann so interpretiert, dass die Kühe hier wohl Migrationshintergrund hätten und zweisprachig aufgewachsen seien. Na denn!

A propos Sprache: in Frankreich fühlte sich Anne sprachlich auf sicherem Terrain. Hans war dann manchmal wirklich arm dran. Anne parliert dann wie eine Weltmeisterin und vergisst zu übersetzen. Das führt manchmal zu atmosphärischen Störungen. Kann ich verstehen! Gott sei Dank bedienen sich Esel ja einer internationalen Sprache, was die Kommunikation doch sehr erleichtert.

Leider hat sich meine Hoffnung, auf dieser Tour viele meiner Verwandten zu treffen, bisher nicht erfüllt. Kurz vor Logrono traf ich zwei junge Leute, die mit einem vollgepackten Verwandten auf dem Rückweg nach Deutschland waren. Ein weiteres Exemplar war in der Sonne Spaniens bereits zu Beton erstarrt und fristete sein grinsendes Dasein in einem Vorgarten.

Das heiße Wetter hier in Spanien lässt den Pelz brennen!!! Die Blasen suchen sich immer wieder Annes Füße aus, um ihre Pracht zu entfalten. Die tollste Blase erreichte die Größe eines halben Hühnereies. Anne findet das überhaupt nicht witzig, aber alle Fußpflege, Behandlungen mit Hirschtalg, Fußbalsam und weiteren Cremes halten die Füße nicht davon ab, bei jeder Blasenverteilung wieder „Hier“ zu schreien! In diesen Breitengraden nützt Compeed allein leider nichts mehr. Im Übrigen habe ich noch nie so viele Knie-, Fuß-, Rücken- und Hüftkranke durch die Gegend wackeln sehen, wie auf dieser Tour. Es gibt offensichtlich mehr Menschen, die heilig werden wollen, als man annimmt. Ich glaub zwar nicht, dass das auf diese Weise klappt, aber wer weiß…

Was das Essen angeht, beobachte ich Interessantes: meine beiden Compagnons essen, was sie wollen. Auch Dinge, die zuhause auf dem Index stehen wie z.B. Croissants, fette Braten sowie Süßspeisen aller Art und Wein und Bier werden mit Genuss gegessen und getrunken. Das Wort „Kalorien“ ist ganz offensichtlich nicht mehr bekannt. Ein erstes Wunder in diesem Zusammenhang: die Bäuche schwinden trotzdem! Die täglich gerne konsumierten Cafe con leche (man kann auch sagen „Milchkaffee“) rufen Orchester auf den Plan: die Spanier meinen es gut mit uns und benutzen ganz schön fette Milch. Diese Milch sorgt für Irritationen in den Bäuchen von Anne und Hans und prompt wird die Wanderung von zwei Posaunenorchestern begleitet: Hans hat das Orchester mit den tiefen, vollen Tönen und Anne das mit den hellen, manchmal quietschigen Tönen abonniert.

Seit wir in Spanien unterwegs sind, vervollkommnet Hans nach eigenen Aussagen seine Spanischkenntnisse. Er kann inzwischen unfallfrei „olà“, „gracias“, „dos cafe con leche“ und „dos cervezas con limon“ sagen. Ansonsten behelfen wir uns mit der Drittsprache Englisch. Klappt ganz gut.

Bis die Tage grüßt Donkey

IAAAA!

schwer bepackt schwer bepackt auf dem Weg zurück nach Deutschland

da war er zu Stein geworden in Stein erstarrt

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Burgos, Halbzeit des Weges

Tag 31 Atapuerca – Burgos 19,5 km

Tag 30 Villafranca Montes de Oca – Atapuerca 19,3 km

Donnerstag, 25.06.15, Tag 31

Unser kleines Frühstück hatten wir schnell eingenommen und so standen wir schon um 7.45 Uhr abmarschbereit vor unserer Unterkunft. Zuerst hieß es jetzt, den 1080 Meter hohen Rücken des Kalksteinhügels Matagrande, unserem höchsten Punkt heute, zu erklimmen. Ein herrlicher Weitblick und die erste Sicht auf Burgos waren der Dank für die frühmorgendliche Anstrengung. So nah Burgos von hier erschien, waren es doch noch 3,5 Stunden Fußmarsch bis zu unserer Unterkunft. Leider ließ auch die Anzahl der schattenspendenden Bäume rapide nach. Ein erster Vorgeschmack auf die nächsten Etappen hinter Burgos, denn die Sonne brannte mit jeder Minute stärker auf unserer Haut. Für den Weg ins Zentrum von Burgos hatten wir uns für die Variante entlang des Rio Arlanzon entschieden. Eine richtige Entscheidung wie sich herausstellte, führt dieser Weg durch einen, entlang des Flusses gelegenen, Parks mit vielen Bäumen. Als wir um 13.15 Uhr unser Hotel erreichten, wurden wir erst einmal darauf hingewiesen, dass die Zimmer erst ab 14.00 Uhr zur Verfügung stehen. Das war uns aber so ziemlich egal, stand uns der Sinn doch erst einmal nach einem erfrischenden Radler. Wir hatten noch nicht ganz ausgetrunken, da wurde uns das fertige Zimmer avisiert.

Nach einem Picknick auf dem Zimmer und dem täglichen Wäschewaschen werden wir ein wenig die Stadt erkunden und das morgige Besichtigungsprogramm festlegen.

Burgos bedeutet für uns aber auch, dass wir jetzt etwas mehr als die Hälfte unserer Wanderung bis ans Ende der Welt zurückgelegt haben. Ein bisschen sind wir schon stolz darauf, wie schnell und relativ problemlos wir das geschafft haben. Mal sehen, ob das heute Abend einen Cava brut wert ist.

Mittwoch, 24. Juni 2015, Tag 30

Nachdem wir bereits um 13.30 Uhr unsere Unterkunft erreicht hatten, haben wir uns nach einer kleinen Stärkung noch einmal aufgemacht, die archäologische Ausstellung und dasdazu gehörige Grabungsfeld zu besuchen. Die kleine Ausstellung hat uns gut gefallen, an das Grabungsfeld hätten wir nur mit Führung gekonnt und auf die sollten wir zwei Stunden warten. Das war uns dann doch zu lange und wir haben noch einen Spaziergang rund um die Kirche und durch den kleinen Ort gemacht.

Der heutige Weg war sehr angenehm, führte er doch meistens durch einen Eichenwald und schenkte uns so einiges an Schatten.

Aperitiv in Atapuerco den Aperitiv nehmen wir in Atapuerco im Garten ein

weiter Weg nach Burgos der weite Weg nach Burgos

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Pünkliche Ankunft

Tag 29  Belorado – Villafranca Montes de Oca 13,3 km

Dienstag, 23. Juni 2015, Tag 29

Bereits um 11.30 Uhr haben wir heute, trotz einstündiger Pause, unsere Unterkunft nach anstr….. uupps waren ja nur 13,3 km.

Unserem Reiseführer folgend, haben wir heute eine kurze Zwischenetappe eingelegt. In Ermangelung vernünftiger Unterkünfte in einer Entfernung unter 30 km haben wir uns zu einem frühen Stopp in Villafranca Montes de Oca entschieden. Zu den Unterkünften der folgenden Orte schreibt unser Reiseführer, Zitat:“spartanisches Frühstück und Abendessen……., katastrophale Sanitäranlagen ……“ Dann doch lieber einmal eine kurze Etappe, Putz- und Flickstunde einlegen, die Seele etwas baumeln lassen und den Füssen etwas Zeit zur Erholung und Heilung schenken. Pilgern muss nicht in Selbstgeißelung ausarten und darf ruhig auch mal erholsam sein.

Zum heutigen Weg gibt es wenig Neues zu sagen. Sanfte Hügel mit Getreide-, Erbsen- und dicke Bohnenanbau, Kirchen am Wegrand geschlossen, ebenso die in den Fels geschlagene Einsiedelei San Felices bei Espinosa del Camino. Morgen soll es durch einen Eichenwald gehen. Wir freuen uns darauf.

Kirche in Belorado mit Storchennester  KIrche von Belorado mit bewohnten Storchennester auf dem Glockenturm

Eisiedelei San Felices bei Espinosa del Camino  die in den Fels gehauene Einsiedelei San Felices bei Espinosa del Camino

Einsiedelei San Felices  Einsiedelei San Felices und ihr Umland

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