Mir dem Fahrrad durch die Schären

Nachdem wir gestern Nachmittag in Turku ankamen, haben wir den Ort noch ein wenig zu Fuß erkundet. In der Touristeninformation haben wir dann auch alle benötigten Informationen bekommen, um die heutige, Mittwoch, den 27.08.14, Tour durch die Schären zu starten.

Sehr schön auf dem Weg ist, dass ein straßenbegleitender Radweg, Anfangs asphaltiert, später als Naturweg vorhanden ist. Was wir reichlich unterschätzt haben, ist die doch sehr hügelige Wegstrecke.

Die vielen Inseln sind mit Brücken oder kostenfreien Fähren miteinander verbunden. Die Fähren fahren so häufig tagsüber, dass ka um Wartezeiten entstehen.

Bei schönem und warmem Wetter ist die Schärenringstraße eine absolute Traumtour. Überall freien Zugang zum Meer oder zu den vielen Seen auf den Inseln, die zum Verweilen einladen. Wir hätten sicher ein oder zwei Tage länger für die Tour gebraucht, wenn wir nicht immer wieder geduscht worden wären. Außerdem blies uns ein kräftiger Wind bei ca. 15° C. ins Gesicht. Kein Wetter um faul am See zu liegen und sich von Mücken ärgern zu lassen.

SO erreichten wir schon um 14.00 Uhr nach 65 Kilometern Nauvo, unserem angedachten Ziel. Zum Glück hatten wir keine Unterkunft gebucht und so fanden wir mit Unterstützung einer freundlichen jungen Frau in der Touristeninformation eine Unterkunft in Korpo, in der Nähe des Fähranlegers nach A°land in Galtby.

Als wir um 17.20 Uhr unser Hotel nach 81 Kilometern in Karpo erreichten, waren wir doch ziemlich fertig und durchgefroren. Eine warme Dusche half beim Aufwärmen, doch nach dem Abendessen waren wir so müde, dass an einen Bericht schreiben nicht mehr zu denken war. Satt und müde fielen wir um ca. 21.00 Uhr ins Bett.

Schärenringstraße

Ausschilderung der Schärenringstraße

auf und ab über die Inseln

ständiges auf und ab über die Inseln

Inselwelten

Inselwelten

Pause im Hafen von Nauvo

Pause im Hafen von Nauvo

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Tag der Entscheidungen

Nach einer unruhigen Nacht an Bord, die Fähre schaukelte ganz ordentlich, sind wir pünktlich um 8.00 Uhr in Helsinki angekommen.

Das Wetter hatte sich anscheinend die ganze Nacht nicht gebessert und so regnete es auch bei unserer Ankunft. Wir ließen uns Zeit das Schiff zu verlassen und hatten Glück damit, weil es aufhörte zu regnen. Die Einreiseformalitäten gingen waren blitzfix erledigt und wir fuhren zur Touristeninformation in das Zentrum von Helsinki. Die dort erhaltenen Informationen stimmten uns nicht glücklich. Keine Informationen zur Zimmervermittlung, man verwies uns nach booking.com, keine Unterstellmöglichkeit für unsere Fahrräder mit Gepäck, keine Informationen zu unserer weiteren Tour. Auch am Bahnhof, wo eine Zimmervermittlung sein sollte, war diese geschlossen bzw. existierte nicht mehr. Auch hier wollte man unsere Fahrräder nicht in der Gepäckaufbewahrung annehmen. Damit war die geplante Stadtbesichtigung ohne ein Hotelzimmer nicht zu machen. Die Hotels waren uns aber mit 120,- bis über 200,- € pro Nacht zu teuer. Als dann auch der Wetterbericht für die nächsten Tage nichts Gutes verhieß, kauften wir uns Bahnkarten nach Turku. Dort ist es zwar auch nicht viel billiger, aber wir haben ein paar Übernachtungen und Regenschauern gespart.

Dank freiem WiFi im Zug kann ich die Zeit nutzen und die Berichte der letzten Tage und auch diesen hochladen.

Mal schauen wie es die nächsten Tage weiter geht.

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Abreise aus St. Petersburg

Grau und regnerisch begrüßte uns der Morgen unserer Abreise am 25.08. Wir verspürten wenig Lust, im Regen die Stadt weiter zu erkunden.

So nutzten wir unsere Check-out-Zeit voll aus und verließen erst um 12.00 Uhr das Hotel. Um auf Nummer sicher zu gehen, fuhren wir gleich zum Fähranleger, da uns das Prozedere vor Ort nicht ganz klar war. Hier vertrieben wir uns mit lesen die Zeit, denn draußen regnete es mal wieder.

Wir gehörten mit zu den Ersten, die auf der Fähre einchecken konnten und waren positiv über unsere Innenkabine überrascht. Wir konnten das Schiff in Ruhe erkunden und genossen zum Abendessen eine gute Flasche Wein.

Es verwunderte uns, dass wir die offene Ostsee erst nach zwei Stunden Fahrt erreichten. Zuweilen waren die Durchfahrten recht eng.

Leider konnten wir das Ablegen und die Hafenausfahrt nicht an Deck verfolgen, da es in Strömen regnete und stürmte. Aber auch vom Salon aus hatten wir einen guten Überblick.

Einschiffen in St Petersburg

Einschiffen in St. Petersburg

Leningrad

die Hafeneinfahrt von St. Petersburg heißt immer noch Leningrad

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Petersburg II

Am Sonntag, den 24.08. wurden wir wieder um 9.30 Uhr von Valentina und einem anderen Fahrer im Hotel abgeholt.

Wir besuchten die Sommerresidenz der Zaren in Zaroskoje Selo mit dem Katharinen Palast und dem Bernsteinzimmer. Nach einem gemeinsamen, typisch russischen, Mittagessen sind wir dann nach Peterhof gefahren. Hier besichtigten wir die Sommerresidenz Peter I und den Fontainengarten.

Auf dem Rückweg nach St. Petersburg stoppten wir an einer Metrostation und fuhren ab dort mit der U-Bahn weiter. An einigen Stationen stiegen wir aus um diese zu besichtigen. Die niedrigste Station liegt 16 Meter unter der Straße, die tiefste weit über 100 Meter. Entsprechend steil sind die nach unten oder oben führenden Rolltreppen.

Da es zwischenzeitlich recht kühl und nass geworden war, beschlossen wir den Abend im Hotelrestaurant.

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St. Petersburg I

Am Samstag, den 23.08. wurden wir von unserer deutschsprachigen Fremdenführerin Valentina und einem Fahrer um 9.30 Uhr am Hotel abgeholt. Der Tag stand im Zeichen der historischen Highlights von St. Petersburg.

Wir hatten mit Valentina richtig Glück, eine freundliche und kompetente Führerin erwischt zu haben. Es machte richtig Spaß, ihren Worten zu lauschen.

So besichtigten wir im Rahmen einer Stadtrundfahrt im PKW die Peter-Paus-Festung, die Peter-Pauls-Kathedrale, die Blutskirche, die Isaakskathedrale und nach einem typisch russischen Mittagessen die Eremitage.

Gegen 18.30 Uhr waren wir wieder im Hotel und ließen den Tag auf der Dachterrasse ausklingen. Das Wetter hatte sich beruhigt und uns den ganzen Tag mit Sonnenschein verwöhnt.

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Ankunft in St. Petersburg

Am Freitag, den 22.08. wurden wir persönlich von Viktor verabschiedet und fuhren 65 Kilometer bis zu unserem Hotel in St. Petersburg.

Waren wir bisher doch vom Wetter verwöhnt worden, so war es jetzt grau, kalt und feucht. Es hatte nachts geregnet und die Straße war nass und voller Pfützen. Trotzdem kamen wir gut voran, zumal wir erst einmal 70 Höhenmeter abbauen durften. Nach zehn Kilometern öffneten sich dann des Himmels Schleusen. Es schüttete schon heftig und die Gischt der Autos und Lkws machte es auch nicht besser. Wieder einmal erfreuten wir uns an unserer doch recht guten Regenbekleidung. Auch die Schuhe und Füße blieben dank Gamaschen trocken und warm. Der Verkehr war zwar rege, konnte uns jedoch nicht beeindrucken.

In dem Ort Peterhof gibt es zwar viel zu bestaunen, aber das Wetter war so sauig, dass wir nur noch „weiter, weiter, ab ins Hotel“ dachten. Die uns erwartende heiße Dusche verlieh uns schnelle Beine. Dann kam es, das Ortschild von St. Petersburg. In einer kurzen Regenpause schnell ein paar Fotos gemacht … gleich sind wir im Hotel. Das „gleich sind wir im Hotel“ dauerte noch über 25 Kilometer und über drei Stunden.

Ohne größere Probleme fanden wir dann auch die Straße und die Hausnummer auf der Stadtteilinsel Wassiljewski. Nur unser Hotel war nicht dort. Statt dessen befand sich ein asiatisches Restaurant in dem Haus, das auch nicht wie beschrieben neun – stöckig war.

Frustriert betrat ich das Restaurant und fragte nach dem Hotel. Zum Glück sprach eine Kellnerin sehr gut englisch und verstand mich. Aber von unserem Hotel hatte sie noch nichts gehört. Ich zeigte ihr die Buchungsbestätigung auf meinem Handy und sie meinte “haben wir gleich, rufen wir an“ und wählte sogleich die angegebene Telefonnummer. Nach wenigen Minuten Gespräch nahm sie ihren Tablet – PC und zeigte mir darauf auf einem online – Stadtplan die Lage unseres Hotels. Straße richtig, Hausnummer richtig, nur falsche Stadtteilinsel. Eine halbe Stunde später standen wir frohgemut vor unserem Hotel.

Die Feier unserer Ankunft fiel dann doch etwas müde aus. Auf der Dachterrasse unseres Hotels genossen wir dann unter einem Regenschutz unser Abendessen bei Blitz und Donner.

Trotzdem fanden wir die Aussicht vom 10. Stock über St. Petersburg grandios. Die zwei Mitarbeiter hinter der Theke müssen uns für verrückt gehalten haben, denn sie standen in Wolldecken gehüllt hinter dem Tresen.

Gegen 23.oo Uhr gab es dann, wir sagen uns zu Ehren, die Russen sagen, der Marine zu Ehren, ein 10 bis 15 – minütiges, tolles Höhenfeuerwerk.

Am Freitag, den 22.08. wurden wir persönlich von Viktor verabschiedet und fuhren 65 Kilometer bis zu unserem Hotel in St. Petersburg.

Waren wir bisher doch vom Wetter verwöhnt worden, so war es jetzt grau, kalt und feucht. Es hatte nachts geregnet und die Straße war nass und voller Pfützen. Trotzdem kamen wir gut voran, zumal wir erst einmal 70 Höhenmeter abbauen durften. Nach zehn Kilometern öffneten sich dann des Himmels Schleusen. Es schüttete schon heftig und die Gischt der Autos und Lkws machte es auch nicht besser. Wieder einmal erfreuten wir uns an unserer doch recht guten Regenbekleidung. Auch die Schuhe und Füße blieben dank Gamaschen trocken und warm. Der Verkehr war zwar rege, konnte uns jedoch nicht beeindrucken.

In dem Ort Peterhof gibt es zwar viel zu bestaunen, aber das Wetter war so sauig, dass wir nur noch „weiter, weiter, ab ins Hotel“ dachten. Die uns erwartende heiße Dusche verlieh uns schnelle Beine. Dann kam es, das Ortschild von St. Petersburg. In einer kurzen Regenpause schnell ein paar Fotos gemacht … gleich sind wir im Hotel. Das „gleich sind wir im Hotel“ dauerte noch über 25 Kilometer und über drei Stunden.

Ohne größere Probleme fanden wir dann auch die Straße und die Hausnummer auf der Stadtteilinsel Wassiljewski. Nur unser Hotel war nicht dort. Statt dessen befand sich ein asiatisches Restaurant in dem Haus, das auch nicht wie beschrieben neun – stöckig war.

Frustriert betrat ich das Restaurant und fragte nach dem Hotel. Zum Glück sprach eine Kellnerin sehr gut englisch und verstand mich. Aber von unserem Hotel hatte sie noch nichts gehört. Ich zeigte ihr die Buchungsbestätigung auf meinem Handy und sie meinte “haben wir gleich, rufen wir an“ und wählte sogleich die angegebene Telefonnummer. Nach wenigen Minuten Gespräch nahm sie ihren Tablet – PC und zeigte mir darauf auf einem online – Stadtplan die Lage unseres Hotels. Straße richtig, Hausnummer richtig, nur falsche Stadtteilinsel. Eine halbe Stunde später standen wir frohgemut vor unserem Hotel.

Die Feier unserer Ankunft fiel dann doch etwas müde aus. Auf der Dachterrasse unseres Hotels genossen wir dann unter einem Regenschutz unser Abendessen bei Blitz und Donner.

Trotzdem fanden wir die Aussicht vom 10. Stock über St. Petersburg grandios. Die zwei Mitarbeiter hinter der Theke müssen uns für verrückt gehalten haben, denn sie standen in Wolldecken gehüllt hinter dem Tresen.

Gegen 23.oo Uhr gab es dann, wir sagen uns zu Ehren, die Russen sagen, der Marine zu Ehren, ein 10 bis 15 – minütiges, tolles Höhenfeuerwerk.

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St Petersburg erreicht

Um 15.00 Uhr haben wir nach 65 Kilometern unser Hotel in St Petersburg erreicht. Insgesamt sind wir 4434 Kilometer unfallfrei und ohne Plattfuß bis hierher gefahren. Sogar die Sonne kam zur Begrüßung hinter den Wolken hervor, nachdem wir fast den ganzen Weg über geduscht orden waren. Jetzt müssen wir erst einmal feiern.

Ankunft in St Petersburg

Ankunft in St. Petersburg

 

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Vorletzter R1 –Tag

Problemlos haben wir die 72 Kilometer nach Gostilizy abgespult.

Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht im Motel, mit 24 Stunden Betrieb der angeschlossenen Tankstelle und des Imbisses, waren wir auf unser Frühstück mit Verständigungsproblemen gespannt. Es klappe mit Kaffee und Piroggi, verschiedene, mit Kraut, Würstchen, Fleisch, Äpfel, Marmelade oder Quark gefüllte Teigtaschen, sehr gut.

Unser Weg war zunächst sehr gut zu befahren. Nach Verlassen der Hauptstraße ließ auch der Verkehr merklich nach. An manchen Stellen konnte man sehen, dass Schlaglöcher aufgefüllt und repariert worden waren. Doch wir hatten uns zu früh gefreut. Ab der Abzweigung bei Perelecje wurden die Schlaglöcher bis LKW-Reifen groß und zum Teil über zehn Zentimeter tief. Wer diese Strecke bei Regen und wassergefüllten Löchern fährt, begeht Materialmord!

Zum Glück war es trocken und lustig dem Slalom der Autos und LKWs zuzuschauen. Anders als erwartet wurden wir als Radfahrer zumeist mit Repekt uns Abstand bedacht. Spinner gibt es überall.

Mit einem Abstecher besuchten wir die Festungsruine Koporje im gleichnamigen Ort, einer ehemaligen Ordensritterburg und später in wechselndem Besitz. In Lopychinka machten wir, wie mittlerweile üblich, an einer Bushaltestelle Imbisspause und beobachteten das Geschehen auf dem gegenüberliegenden Markt. Bushaltestelle deswegen, weil es meistens die einzigen Orte mit einer Sitzgelegenheit sind.

Als wir unser kleines „Mini Hotel“ in Gostilizy erreichten, waren wir mehr als positiv überrascht. Erwartete uns doch verdeckt durch eine hohe Mauer und unscheinbarem Äußeren, die luxuriöseste Ausstattung der letzten Wochen. Empfangen wurden wir von Viktor, einem freundlichen und englisch sprechenden jungen Mann, der nur für die Betreuung ausländischer Gäste bereit stand. Er half uns sogar, unsere vielen Gepäckstücke auf das Zimmer zu tragen. Das waren wir ja gar nicht gewohnt. Die Fahrräder wurden sicher in einem Nebengebäude untergebracht und verschlossen. Zu guter Letzt bot Viktor uns eine Führung zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes an, unter anderem der Ruine des Schlosses Rasumowski, das nach wechselndem Besitz von 1889 bis zur Verstaatlichung 1917 im Besitz von Carl Heinrich von Siemens, dem Bruder von Werner von Siemens, war. Im zweiten Weltkrieg zerstört, wurde es nie wieder aufgebaut und bietet heute einen traurigen Anblick. Anne bekam von Viktor sogar ein Buch auf russischer Sprache zur Geschichte des Schlosses und mit vielen alten Bildern des Schlosses und seinen Besitzern geschenkt.

Unser Abendsessen nahmen wir im einzigen Cafe/Bar des Ortes ein, nachdem Viktor uns die Speisekarte übersetzt hatte.Wir haben dort schmackhaft und gut gegessen.

Für morgen sind wir gespannt auf unsere Abschlussetappe des R1 nach St. Petersburg.

die Ordensritterburg in Koporje

die Ruinen der Ordensritterburg in Koporje

Anne mir Viktor

Anne mit Viktor, im Hintergrund die Dank der Siemens Stifftung Russland rekonstruierte Dreifaltigkeitskirche

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Unterwegs in Russland

Heute, Mittwoch, den 20.08.14, haben wir Europa um 11.30 Uhr verlassen und sind 45 Kilometer nach Gurljewo in Russland gefahren.

Doch der Reihe nach. Zum Frühstück im Hotel mussten wir die Schlacht am Buffet gegen eine finische Reisegruppe siegreich schlagen. Nur bei den Sitzplätzen hatten sie uns, dank ihrer Menge, in den Vorraum verbannt. Wir ließen es uns aber auch dort schmecken. Statt zügig aufzurödeln und die Fahrt aufzunehmen, mussten wir Zeit totschlagen, weil ich noch die Zentrale unserer gebuchten Fähre nach Helsinki anrufen wollte und diese hat ihren Sitz in München. Telefon und Internet ist mir in Russland zu teuer und wird nur in Notfällen oder per Wlan auf Kosten anderer benutzt.

Als alles erledigt war, konnten wir die 800 Meter zum Grenzübergang mitten in der Stadt fahren. Es ist schon ein bedrückendes Gefühl, durch ein Spalier fünf Meter hoher, Stacheldraht bewährter Zäune über eine Brücke, die Estland mit Russland bzw. Narva mit Iwangorod verbindet, zu gehen. Nach dem Ausfüllen der Migrationskarte ging die Abfertigung auf russischer Seite zügig vonstatten. Ein Zöllner, der uns sogar die Tür aufhielt, wünschte uns beim herausgehen auf englisch „Good luck“. Wir waren total überrascht und Anne antwortete: “Spasiba“ (danke) und „da swidanja“ (auf wiedersehen). Da strahlte der Zöllner über das ganze Gesicht, was etwas ganz besonderes ist.

Wir hatten anscheinend einen sehr guten Tag für den Grenzübertritt erwischt, denn in Estland ist heute Nationalfeiertag. An der Grenze war nur wenig los und wir hatten innerhalb von 30 Minuten die Grenze passiert.

Im russischen Grenzkontrollgebäude trafen wir auf ein anderes Radreisepaar. Außer einem „Hallo“ war hier keine Kontaktaufnahme möglich. Da holten wir im Ort Iwangorod auf der Suche nach einem Geldautomaten nach. Das Paar, zwischen 40 und 50 Jahre alt, kam aus Frankreich und war seit April unterwegs. Sie waren bereits am Nordkap gewesen und fuhren jetzt über St. Petersburg nach Moskau und weiter nach Wladiwostok. Sie hatten für die Reise zwei Jahre eingeplant.

Dank des estnischen Feiertages war der Verkehr auch in Russland wohl nicht ganz so stark wie üblich und wir fühlten uns auf dem ca. 80 cm breiten, asphaltierten Randstreifen recht sicher und kamen gut voran. Mangels Alternative machten wir in einem Bushäuschen Imbisspause. Als eine in einem edlen, schwazen Hosenanzug gekleidete Frau an die Haltestelle kam, machen wir Platz und boten ihr einen Sitzplatz an. Alle Versuche von ihr und Anne, eine gemeinsame Sprache zu finden, scheiterten. Als wir aufbrachen, schenkte sie Anne noch 6 frische Gurken aus dem Garten, an denen noch frische Erde klebte. Wir bedankten uns und fuhren weiter nach Gurljewo, wo wir bereits um 15.30 Uhr russischer Zeit (Deutschland plus 2 Stunden) eintrafen und im Motel an der Tankstelle mit Zimmer 6 das größte Zimmer mit WC und Dusche bekamen. Die weiteren 73 Kilometer bis zum nächsten Hotel auf dem Weg nach St. Petersburg wären für uns heute zu viel gewesen.

Im Motel hatten wir wieder das Sprachproblem. Wir kein russisch und die Dame hinterm Tresen nur russisch. Die Zimmerbuchung bekamen wir mit Zeichensprache noch ganz gut geregelt, aber bei der rein russischen Speisekarte half nur noch mein „Wörterbuch ohne Wörter“. 550 Zeigebilder aus allen Bereichen des Reisens sind darin abgebildet. Das Büchlein mit den Bildern sorgte für große Erheiterung und half uns bei der Bestellung eines leckeren Abendessens. Mal sehen, ob wir damit morgen früh auch ein Frühstück bekommen.

unsere Räder mit Gepäckhaufen

unsere Räder mit dem ganzen Gepäck

breiter Randstreifen

manchmal haben wir einen breiten Seitenstreifen zum Fahren

auf dem Weg nach St Petersburg

auf dem Weg nach St. Petersburg

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Nervenanspannung

Heute sind wir die letzte Europa-Etappe des R1 auf den 60 Kilometern nach Narva gefahren.

Still und leise schleicht sich der Herbst ein, auch wenn der Sommer sich heute Nacht mit einem kräftigen Gewitter wehrte. Vom Prasseln des Regens an unser Fenster und dem grollenden Donner wurde ich mehrfach geweckt. Heute Morgen war die Temperatur dann unter 15° C gefallen. Der starke Wind schüttelte heftig an den Bäumen, dass auch die Blätter zu fallen beginnen.

Auch wenn wir auf geschichtsträchtigem Boden durch die Blauen Berge fahren, war die Landschaft still und friedlich. Selbst ein streunender, junger Schäferhund lief freudig Schwanzwedelnd kilometerweit abwechselnd neben uns her. Erst als wir an einer Abfahrt das Tempo erhöhten, gab er auf.

Mir bereitete das Tretlager meines Fahrrades nach etwa 20 Kilometern die ersten Sorgenfalten auf die Stirn. Ohne Vorwarnung hatte ich plötzlich einen schwammigen Tritt und die Tretkurbeln wackelten leicht. Bis zu unserer Ankunft in Narva wurde der Zustand immer schlimmer. Meine aufkommende Stimmung tat es dem Wetter gleich. Erst fielen einzelne Tropfen, die sich später zu kräftigen Regenschauern auswuchsen.

Da wir auch Anne s g ebrochenen Fahrradständer austauschen wollten, steuerten wir den ersten Fahrradhandel in Narva an. Verkaufen wollten sie, aber nicht reparieren. Also weiter zur nächsten Werkstatt. Fahrradständer ersetzen, kein Problem. Um mein Tretlager kümmerten sich gleich beide Mitarbeiter, obwohl Kunden im Laden waren. Doch die konnten warten. Leider war die Verständigung auf russisch und englisch nur schwer möglich. Der eine Techniker schraubte die Tretkurbel ab, der andere versuchte telefonisch ein Ersatzteil zu beschaffen. Als das Beschaffen nicht funktionierte, wurde alles wieder zusammengeschraubt, mir erklärt, dass die Einheit gebrochen sei und ich nicht mehr fahren könne. Auf der Fahrt ins Hotel spürte ich von dem Problem nichts mehr. Ein Anruf beim heimischen Fahrradhändler meines Vertrauens erbrachte die Ferndiagnose: „Alles in Ordnung, brechen kann da nichts.“ Wahrscheinlich hatte sich die Verschraubung durch die Belastung minimal gelockert und war jetzt wieder fest. Wir werden auf jeden Fall weiterfahren.

Somit beginnen wir morgen das Fahrradabenteuer Russland Teil zwei.

Bastelstunde an meinem Tretlager

Bastelstunde an meinem Fahrrad

Hermannsfeste in Narva

Hermannsfeste in Narva

Festung Iwangorod mit russischer Grenzstation

Festung Iwangorod und russische Grenzstation

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