Das muss mal gesagt werden

Was gestern noch zu Gejuchze und Gekreische führte, ist heute in Ärger umgeschlagen. Auf dem Weg, der 74 km nach Münster führte, waren mir doch einige Abschnitte zu heftig. Nicht, dass die Herausgeber der Roadbooks etwas an dem Zustand oder der Auswahl der Strecken beeinflussen könnten, das können sie wahrlich nicht, aber eine bessere Beschreibung der Naturwegeabschnitte würde den Fahrern und Fahrerinnen der Route wenigstens ermöglichen, alternative Wege zu wählen. Als Ferntourenfahrer nehme ich gerne Umwege in Kauf, um Land und Leute kennen zu lernen. Das Münsterland wirbt mit seiner 100 – Schlösser Tour und vielen fahrradfreundlichen Aspekten. Wir sind heute Wege gefahren, deren bewuchsfreie Breite keine 40 cm betrugen, rechts und links mit Brombeeren und Brennnesseln bis zu einem Meter Höhe bewachsen waren. Dazu kamen Naturwaldwege mit faustdicken Wurzeln quer zum Weg, oder durch Pferde oder Traktoren aufgewühlte Wege, die für leichte Tourenräder oder MTBs zu bewältigen sind. Für Tourenräder mit bis zu 30 kg Gepäck machen solche Wege, bei denen die Innereien aus den Ohren schießen (Männer wissen was ich meine), keinen Spaß. Dann verzichte ich lieber auf Schloss Darfeld, welches eh nicht zu besichtigen ist und dessen Rasenflächen nur von Enten, Gänsen und Schwänen betreten werden darf. Schilder in ausreichender Anzahl und Größe weisen ausdrücklich darauf hin. Dann braucht der schlechte Weg auch nicht an dem Schloss vorbei führen.

Sicher sind wir von den mehr als 700 km guter Radwege plus ca. 100 km Marterstrecke Kopfsteinpflaster in Belgien und Holland verwöhnt, aber von dem, wie sich das Münsterland präsentiert, bin ich tief enttäuscht.

Landschaftlich ist das Münsterland sehr schön und abwechslungsreich, aber dann fahre ich doch lieber nach Holland.

Vom schlechten Wetter im Rheinland sind wir bisher verschont geblieben. Gegen 15.00 Uhr begann es leicht zu nieseln, nicht genug für Regenkleidung. Ab 18.00 Uhr kam dann ein leichter Regen. Zu der Zeit waren wir bereits im Gästehaus und unsere Wäsche, aufgeteilt nach weiß und bunt, in den Hauseigenen Waschmaschinen. Zum Frühstück bekommen wir die Wäsche getrocknet zurück.

Genug geschimpft für heute, es kann nur besser werden, oder wie Karlheinz so trefflich kommentierte: Bevor isch misch uffresch, isses mir egal.

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Tag der Feld- und Sandwege

Zum letzten Mal auf der Tour Frühstück mit Krintenbrot und Hagelschlag (Rosinenbrot und Schokoladenstreusel). Wir werden es vermissen.

Kurz nach 9.00 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Stadtlohn. Aus geplanten 65 km wurden am Ende dann doch 75,9 km weil in Stadtlohn wegen Schützenfest kein Bett für eine Nacht zu bekommen war. Jetzt sind wir in einem Landgasthof in Büren, haben gut gegessen, und lassen den Tag Revue passieren. In besonderer Erinnerung sind uns die unzähligen Naturwege geblieben. Teils als Schotter-, teils als Lehm- und im schlimmsten Fall als Sandweg. Was bei Lehmwegen meist als unangenehm empfunden wird, ist ein Übermaß an Wasser. Dieses macht bekanntlich die Wege tief und rutschig. Es hatte lange nicht geregnet und die Lehmwege waren fest und griffig. Des einen Freud, des anderem Leid. Denn bei Sandwegen ist es genau umgekehrt. Wenn man dann noch mit zu viel Krafteinsatz fährt, wird´s ganz schön rutschig und instabil im trockenen Sand. Es war ein Gejuchze und Gekreische, wenn das Hinterrad mal nach rechts, mal nach links ausbrach. Höhrt sich schlimmer an als es war. Wir hatten sogar Spaß dabei.

Anne erfreute besonders die Durchfahrt des Stadtparks von Vreden. Hier entdeckte sie viele Skulpturen, u.a. von Wilhelm Lehmbruck.

zurück in Deutschland

zurück in Deutschland

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Was soll der Hügel da?

Was uns heute erwartet wissen wir jetzt. Die deutsche Nationalmannschaft ist im Achtelfinale.

Fahrtechnisch wissen wir jetzt auch, was uns der heutige Tag abverlangte. Die Niederlande sind ja für Fahrradfahrer ein Traum. Ein wenig die Dünen rauf und runter, ansonsten flach, flacher, platt. Nur in Arnheim muss so ein 100 Meter hoher Hügel auf unserem Weg von Wageningen-Hooge nach Vorden, mit 66 km nicht zu weit, unangenehm stören. Respekt an Anne, die alle Steigungen in stoischer Ruhe ausgesessen hat. Ich dagegen bin heute viel spazieren gegangen. Andere Muskelpartien wollen auch mal beschäftigt werden. So lange ich so schnell gehe, wie Anne fährt, ist alles in Ordnung. Ich falle bei dem Tempo immer vom Rad.

Landschaftlich lohnt sich dieser blöde Hügel aber sehr. Das Naturschutzgebiet Hoge Veluwe bietet Wald, Heide und Dünen in schnellem Wechsel vom Feinsten. Für Wanderer ein Traum, für E-Biker ein Paradies, – uns hat es auch gefallen. Gefährlich wurden nur die schnellen Abfahrten durch Hinterlassenschaften freilaufender Longhorn-Rinder. So ein frischer Fladen auf dem Betonweg bewirkt feinstes Aqua Planing.

Auf besonderen Wunsch einer einzelnen Person sind wir heute nur eine kurze Strecke gefahren und haben schon um 16.00 Uhr im Hotel eingecheckt. Dafür wird es morgen wieder etwas mehr und wir sind zurück in Deutschland. Das dritte der zwölf zu durchradelnden Länder haben wir geschaft.

Naturschutzgebiet Hoge Veluwe

das Naturschutzgebiet Hoge Veluwe

breite betonierte Wege durch das Hoge Veluwe

breite asphaltierte Wege führen durch das Naturschutzgebiet

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Eine besondere Begegnung

Nachdem wir heute Morgen kurz nach neun Uhr die zweiten tausend Kilometer auf der 65 km langen Fahrt nach Wageningen-Hoog begonnen haben, galt unsere Aufmerksamkeit den dunkel aufziehenden Wolken. Hält das Wetter, kühl aber trocken, oder bekommen wir nasse Füße? Glück gehabt, das Wetter hielt und wurde zum Nachmittag hin sogar schön.

Die gestern noch von Kanälen geprägte Landschaft, wurde heute von Wiesen und Wäldern dominiert. In den Wäldern versteckt befinden sich in dieser Region viele kleine Landsitze (Kasteelen). Eines dieser Landsitze ist Haus Doorn, in dem bis 1941 der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm, lebte. Das Wohnhaus kann man besichtigen, doch leider war es bei unserer Ankunft gegen 11.00 Uhr noch nicht geöffnet. Nicht nur wir standen vor verschlossenen Türen, sondern auch ein aus dem Raum München stammendes Ehepaar. Schnell kamen wir ins Gespräch und bei einer Tasse Kaffee, in dem angeschlossenen Restaurant, stellten Anne und die fremde Dame fest, dass sie gemeinsame Bekannte haben, die die Dame seit den Studienzeiten aus den Augen verloren hatte. Eine unglaubliche Geschichte.

Die Weiterfahrt führte uns immer wieder an den Neder-Rijn, einem der Mündungsflüsse unseres Rheins. Je näher wir unserem heutigen Zielort Wageningen kamen, desto hügeliger wurde die Landschaft. Wir sind gespannt, was uns morgen so alles erwartet.

Haus Dorn

eine besondere Begegnung vor Haus Doorn

der Neder-Rijn

der Neder-Rijn bei Rhenen

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1000 km gefahren

Heute Morgen haben wir kurz nach der Abfahrt von unserem Hotel eine besondere Kilometermarke erreicht.

1000 Kilometer sind wir jetzt ohne nennenswerte Panne, Unfall oder sonstiges Missgeschick gefahren. Darüber freuen wir uns sehr.

1000 km

1000 km unfallfrei gefahren

1000 km gefahren

auch der Tacho sagt exakt 1000 km

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Radfahrers Paradies

Die 80 km von Den Haag bis zu den Außenbezirken Utrechts sind meiner Meinung nach wie ein Paradies für Fahrrad-, Natur- und Tierfreunde. Die wenigen Höhenmeter heute stammen fast ausnahmslos von Über- oder Unterführungen kreuzender Straßen oder Kanälen. Das Wetter war äußerst angenehm. Leicht bewölkt, mit großen sonnigen Abschnitten, nicht zu warm, ca. 24° C und wenn einmal Wind aufkam, dann meist von links hinten.

Wir verließen Den Haag durch ausgedehnte Waldgebiete, vorbei an dem Schloss der königlichen Familie. Den Wald lösten Wiesen- und Weideflächen ab, die durch Entwässerungskanäle in Parzellen begrenzt wurden.

Es gab immer wieder etwas Neues zu entdecken, den Graureiher, der bewegungslos nur ca. 5 Meter entfernt auf der anderen Kanalseite auf Beute lauerte, die Kaninchen, die frech zwischen uns den Weg kreuzten, die Feldhasen, die in Gruppen offen zusammensaßen, wohlwissend, dass sie schneller entfliehen, als ein Angreifer den Kanal durchschwimmen könnte, und, und, und …

Kaum merklich waren 40 km bis Boskoop gefahren, welches wir gegen 12.00 Uhr erreichten. Hier folgte eine Gärtnerei und/oder Baumschule der nächsten. Begrenzt wurde wiederum jede Parzelle durch einen Kanal. Als Besonderheit kann man in Boskoop eine Hubbrücke bezeichnen, die die Fahrbahn waagerecht nach oben zieht. Hinter Boskoop, Apfelplantagen haben wir übrigens keine gesehen, folgten wir dem Oude Rijn (Alter Rhein) auf dessen alten Treidelpfaden, die vorzüglich als Radwege ausgebaut worden waren.

Je näher wir Utrecht kamen, desto mehr änderte sich die Landschaft wieder zu Wiesen- und Weideland.

Utrecht selbst scheint eine von Radfahrern beherrschte Stadt zu sein. So unruhig und quirlig haben wir Den Haag nicht erlebt. Das Straßenbild wird von Fahrrädern, ob fahrend, stehend, oder in Massen abgestellt, geprägt.

Gegen 17.00 Uhr erreichten wir unser Hotel und hatten 91 interessante Kilometer hinter uns.

Morgen wird ein besonderer Tag.

Wiesen- und Weideland zwischen Den Haag und Utrecht

Wiesen- und Weideland zwischen Den Haag und Utrecht

die Hubbrücke von Boskoop

die Hubbrücke von Boskoop

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In eigener Sache

Wir möchten uns hiermit bei allen bedanken, die uns auf so vielfältige Weise kontaktieren. Wir freuen uns sehr über jeden einzelnen Beitrag, ob als Kommentar unter einem Post oder im Gästebuch, ob über Kontakt oder als E-Mail. Uns erreichen so viele liebe Wünsche, dass uns die Zeit fehlt, jedem/jeder Einzelnen zu antworten. Natürlich freuen wir uns, wenn Ihr/Sie uns weiterhin die Treue haltet und uns mit Beiträgen begleitet.

Gerne dürfen auch Fragen gestellt werden. Wer werden versuchen diese in angemessener Zeit zu beantworten.

Nochmals herzlichen Dank an alle.

Anne und Hans

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Den Haag, der zweite Ruhetag

Der heutige Tag war der Erholung vom Radfahren gewidmet. Wir erlebten eine weltoffene und trotzdem eine unaufgeregte Stadt. Hier treffen offensichtlich dutzende von Kulturen aufeinander.

Zuerst versuchten wir den Friedenspalast (Sitz des internationalen Gerichtshofes) zu besichtigen, da unser Ruhetag aber mal wieder ein Montag ist, waren die meisten Museen mit ihren Highlights wie den Werken von Mondreaan oder das „Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ von Vermeer oder die magischen Vorstellungen von Escher geschlossen. Einerseits schade, andererseits ein Motiv, noch einmal hierher zu kommen.

Sehr beeindruckt waren wir vom Panorama Mesdag, dem größten Gemälde der Niederlande. Hendrik Willem Mesdag malte dieses rundum Panorama von Scheveningen 1881 in nur vier Monaten. Faszinierend ist, dass der natürliche Lichteinfall über die Kuppel des Gebäudes, das Panorama immer wieder anders erscheinen lässt.

Begeistert waren wir auch von den vielen Kunstwerken im öffentlichen Raum.

Am späten Nachmittag hat Hans sich dann noch der Pflege und Überprüfung der Räder gewidmet. Nach 900 km war ein ölen der Kette und sonstige Pflegearbeiten notwendig.

Alles in allem ein schöner und erlebnisreicher Tag. Am Abend haben wir dann die indische Küche probiert und waren begeistert.

Hans vor dem Panorama Mesdag

Hans vor dem Panorama Mesdag

Daten des Panorama Mesdag

die beeindruckenden Daten des Panoramas

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Die Abschlusstour an Hollands Küste

Heute war der Tag des Genussradelns. Nach anfänglich bedecktem Himmel klarte es doch immer weiter auf, so dass wir gegen 11.00 Uhr strahlend blauen Himmel bei Temperaturen um die 20°bis 24° C hatten. Der Wind blies uns leicht von links in Gesicht, ohne uns sonderlich zu behindern.

So fuhren wir die 65 km bis Den Haag mal näher, mal etwas weiter von der Küstenlinie entfernt, öfters auch durch dichten Wald.

Beeindruckt hatten uns das Industriegebiet und der Containerhafen in Maasvlakte. Lag es am Sonntag? Es herrschte kaum bis kein Verkehr. Rasant wurde es dann bei der Überfahrt nach Hoek van Holland mit der Katamaran-Schnellboot-Fähre. So schnell bin ich noch nie mit einem Boot gefahren. Dank der drei Haltestellen bis Hoek van Holland bekommt man auch noch eine kleine Hafenrundfahrt dazu.

Ab Hoek von Holland Richtung Den Haag reiht sich ein Gewächshaus an das nächste. Es scheint, als versuche man, jede nur nutzbare Fläche einzuglasen. Leider war nicht zu erkennen, was hier angebaut wird. Im krassen Gegensatz dazu die weite und karge Dünenlandschaft, wie wir sie bisher nicht gesehen hatten. Schön anzusehen dagegen die Umrandung der Radwege mit breiten, blühenden Buschwindröschen Rabatten.

Gegen 17.00 Uhr und nach einer kleinen Rundfahrt durch Scheveningen erreichten wir unser Hotel im Diplomatenviertel Den Haags. Hier reiht sich eine Botschaft an die nächste. Die deutsche Botschaft ist nur drei Häuser weiter.

Morgen, Montag, werden wir wieder einen Ruhetag einlegen und versuchen etwas von Den Haag zu sehen.

im Containerhafen von Maarsvlakte

Im Containerhafen von Maasvlakte

Speedbootfähre Hoeg von Holland

Überfahrt mit dieser Schnellboot-Katamaran-Fähre

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