Fazit

Ich habe doch sehr lange gebraucht, um diese Zeilen zu schreiben. Das selbst gesteckte Ziel, jeden Tag einen Bericht zu schreiben, hat doch viel Kraft und Disziplin gekostet. Zu Hause waren dann erst einmal andere Dinge wichtiger.

Die Reise beschäftigt uns fast immer noch täglich. Immer wieder tauchen Bilder aus dem Gedächtnis auf, immer wieder Geschichten und Episoden. Die Vielzahl von Eindrücken und Erlebtem braucht doch eine lange Zeit der Verarbeitung.

Dennoch sind Anne und ich uns einig, diese Reise wird uns noch lange beschäftigen und wir würden sie mit allem Auf und Ab sofort wieder machen. Die Anstrengungen, die Mühen und Verzweiflungen werden mit jedem Tag blasser, die mannigfaltigen Bilder, Erlebnisse und Freuden werden mit jedem Tag klarer. Es entwickelt sich auch ein Stolz etwas Besonderes erlebt und geleistet zu haben.

 

Hier ein paar Zahlen zu unserer Reise:

 

103   Reisetage, davon

21   Ruhetage

5   Transfertage mit Fähre, Bahn oder Bus

 

5392,1   Kilometer, mit dem Fahrrad gefahren, davon

10,9   Kilometer an Ruhetagen

36,8   Kilometer an Transfertagen

5344,4   Kilometer an 77 Reisetagen

 

69,4   Kilometer durchschnittlich an Reisetagen

95,7   Kilometer längste Tagesetappe

43,2   Kilometer kürzeste Tagesetappe

 

102   Übernachtungen unterwegs, davon

80   Übernachtungen im Hotel

7   Übernachtungen in Bett&Breakfast

3   Privatunterkünfte

1   Hütte auf Campingplatz

1   Kabine auf der Fähre St. Petersburg – Helsinki

10   Übernachtungen bei Familie/Verwandten

 

0   Plattfüße, weder an Annes noch an meinem Fahrrad

0   gebrochene Speichen, weder an Annes noch an meinem Fahrrad

2   Werkstattbesuche wegen verstellter Schaltung (Hans)

1   Werkstattbesuch wegen defektem Tretlager (Hans)

1141 km mit defektem Tretlager weitergefahren

1   neuer Fahrradhelm für Anne in Kaliningrad

1   neuer Sattel für Anne in Tartu (Estland)

4   neue Fahrradständer, 2 x Anne, 2 x Hans

2   Sätze Bremsbacken Vorderrad für Annes und Hans´ Fahrrad

 

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Auf nach Essen

Mit 87 Kilometern Anlauf haben wir heute Essen erobert. Dafür, dass es unsere letzte Station auf einer langen Reise ist, hätten wir schon mehr Begeisterung und Enthusiasmus erwartet. Aber nix da, mit unseren breiten Packtaschen sind wir auch hier Störenfriede im Stadtverkehr.

Überhaupt habe ich das System der Radwege hier in Essen nicht verstanden. Breite Straßen werden als Fahrradstraßen mit großen Schildern und Piktogrammen auf der Straße ausgewiesen, mit den Zusatzschildern, „Für PKW und Motorräder frei“! Also, alles wie gehabt, Fahrräder stören.

Dabei war die heutige Tour bei strahlendem Sonnenschein sehr abwechslungsreich. Sogar die sanften Hügel erfreuten uns durch ihre Anwesenheit, hatten wir sie doch gestern gar nicht vermisst.

Auch der Fahrbahnbelag war heute sehr abwechslungsreich. Asphalt wechselte sich mit Schlaglochstrecken ab, unterbrochen von verschiedenartigsten Naturwegen. Besonders interessant wurde es, wenn in abschüssigen Waldpassagen der glatte, geschwindigkeitsfreudige Asphalt schlagartig durch Sandpassagen ersetzt wurde. Evel Knievel hätte an unseren akrobatischen Einlagen, um Stürze zu vermeiden, seine helle Freude gehabt.

Auf unserer ganzen Tour wurden wir noch nie so häufig auf unsere Ausstattung angesprochen wie heute. Ob Einzelpersonen oder Gruppen, überall sorgten wir für ungläubiges Staunen und Gesprächsstoff für Tage.

Mit Freude und Wonne schauen wir auf unsere morgige Abschlussetappe. Bis auf Düsseldorf werden wir jeden Meter aufsaugen und genießen. Wir freuen uns auf unser Zuhause.

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Spätsommertag

An einem wunderschönen Spätsommertag sind wir heute bei strahlendem Sonnenschein 72 Kilometer nach Legden gefahren.

Die durchfahrene Region ist das reinste Radlerparadies! Gut ausgebaute Wege fernab von größerem Verkehr. Auf den Nebenstrecken begegneten uns weniger als fünf Autos in der Stunde. Das Höhenprofil ist angenehm „platt“ und die vielen Wegweiser erschweren das Verfahren.

Lediglich einzelne Gehöfte stören mit ihren würzigen Duftaromen nach Schwein oder Rind. Schimpfen nützt nichts, denn abends soll ja der Teller schmackhaft gefüllt sein. Von nix kommt nix.

Aber auch uns steigt so langsam der eigene Stallgeruch in die Nase. Noch zwei Etappen bzw. eine weitere Hotelübernachtung und wir haben das eigene Nest mit dem vertrauten eigenen Bett wieder.

Ein besonderes „Danke schön“ an Heike und Theo, Katharina und Gerd, Hildegard und Horst, Heike und Jörg und nicht zuletzt an Anke und Christoph für das gewährte Asyl, die gute Verpflegung und die angenehmen Stunden mit euch.

„Oh, wie schön ist Panama!“ (Jonosch)

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Nächster Verwandtenbesuch

Nach einer kurzen Nacht sind wir heute 80 Kilometer nach Nordhorn gefahren. Nicht, ohne uns vorher von Katharina und Gerd mit einem üppigen und ausgiebigem Frühstück verwöhnen zu lassen.

Auch wenn wir heute fast eine Stunde später als üblich in die Pedalen traten, waren wir bereits um 16.15 Uhr in Nordhorn bei Annes Bruder Christoph und seiner Frau Anke. Absprachegemäß waren beide noch unterwegs, doch der Haustürschlüssel war für uns hinterlegt und in der Küche wartete eine Überraschung auf uns.

Auch heute hatte der starke Morgennebel sich schnell verzogen und die Sonne lachte wieder vom blauen Himmel. So konnten wir den Kaffee und Kuchen in aller Ruhe in der warmen Nachmittagssonne auf der Terrasse genießen.

Die schnelle Fahrt heute ist dem flachen Streckenprofil und den fast durchgängig guten Radwegen hier in der Region geschuldet. Da fielen die etwas schweren Beine heute Morgen kaum ins Gewicht.

Die nächsten zwei Tage werden wir bei Anke und Christoph in Nordhorn verbringen, wo wir uns auch hoffentlich noch mit anderen lieben Menschen treffen werden.

Überraschung in Ankes Küche

Überraschung in Ankes Küche

Relaxen auf Christophs Terrasse

Relaxen auf Christophs Terrasse

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Kusinentreffen in Vrees

Am gestrigen Freitag, den 12.09., sind wir bei starken Nebel in Bremen losgefahren, um 89,98 Kilometer später bei Annes Kusine Katharina und ihrem Mann Gerd in Vrees Station zu machen. Trotz der vielen Kilometer waren wir bereits um 16.50 Uhr am Ziel.

Nach einem herzlichen Empfang und einer schnellen Dusche, blieb gerade noch Zeit, den Track und die Etappentabelle hoch zu laden, denn Kaffee und Kuchen standen bereits auf dem Tisch. Katharina und Gerd warteten auch ganz gespannt auf unsere ersten Berichte.

Mehr oder weniger nahtlos ging der Nachmittag in das von Katharina lecker zubereitete Abendessen über. Ehe wir uns versahen, war auch Mitternacht überschritten und es war keine Zeit mehr, einen Tagesbericht zu schreiben. Die müden Knochen wollten doch ein wenig Ruhe haben.

Während der Fahrt von Bremen nach Vrees klarte das Wetter immer weiter auf, bis die Sonne uns vom blauen Himmel ihre Strahlen schickte. Je ländlicher es wurde, desto schöner und prachtvoller waren die Gehöfte. Zum Glück gibt es noch kein Geruchsfernsehen oder –internet, sonst hätte ich hier den würzigen, ammoniakhaltigen Landduft der vielen Schweinefarmen an unserem Weg, mit eingestellt.

Mitten in Delmenhorst vollendeten wir den 5000 Kilometer. Leder habe ich versäumt, vom Tacho ein Foto zu machen.

Verabschiedung bei Katharina und Gerd in Vrees

Verabschiedung bei Katharina und Gerd in Vrees

 

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Wir kommen der Heimat näher

Bereits um 15.30 Uhr erreichten wir nach 72 Kilometern unser Tagesziel Bremen. Nachdem wir unser Zimmer bezogen und uns frisch gemacht hatten, erkundeten wir die Bremer Altstadt.

Natürlich zog es mich zu den original Bremer Stadtmusikanten neben dem Rathaus. Nachdem wir ihren Verwandten in Riga bereits einen Besuch abgestattet hatten, mussten wir uns nun auch die Originale anschauen. Anne hat dann auch dem Eselchen kräftig die Beine gerubbelt, geschubbelt oder einfach gestreichelt. (Dann soll ja ein Wunsch in Erfüllung gehen.)

Beim Besuch der Böttcher-Straße entdeckten wir die Bremer Ausgabe der StäV. Nach über drei Monaten das erste Kölsch. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Zu Annes Leidwesen blieb es nicht bei einem oder zwei. Mit einem Kölsch in der Hand und Anne im Arm genossen wir dann noch das Glockenspiel der aus Meissner Porzellan gefertigten Glocken.

Nach einem deftigen Abendessen im Becks-Haus, erfreuten wir uns des Anblicks des St. Petri-Doms in der Abendsonne vor einem wolkenlosen blauen Himmel. Das Wetter scheint wieder besser zu werden, es hat auch heute nicht geregnet.

Mit Vorfreude schauen wir auf die morgige Etappe, die uns nach Vrees zu Annes Kusine Katharina und ihrem Mann Gerd führen wird.

Anne und die Bremer Stadtmusikanten

Anne versucht ihr Glück bei den Bremer Stadtmusikanten

das Glockenspiel in der Bötcherstraße

das Glockenspiel in der Böttcher-Straße

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Geschenk in der Heide

Auch wenn wir heute Morgen etwas schwere Beine nach der gestrigen Tour hatten, wahrscheinlich bedingt durch die einwöchige Pause, lag unser heutiges Ziel im 82 Kilometer entfernten Tewel.

Der Morgen begrüßte uns mit tief hängenden Wolken, die die Feuchtigkeit kaum halten konnten. Immer wieder fielen vereinzelte Tropfen und wir standen vor der Entscheidung, Regenhose an oder aus. Ein paar Mal zogen wir die Hose an und waren danach innen nasser als außen. Die abwechslungsreiche und hügelige Landschaft entlohnte uns für die Mühen des Hosenwechsels.

Als sehenswert und sicher einem wiederholten Besuch wert, empfanden wir die Stadt Lüneburg. Die alten Häuser und Fassaden luden zum Verweilen ein und so gönnten wir uns vor der alten Industrie- und Handelskammer eine Kaffeepause.

Weiter ging es bergauf in das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Die bereitstehenden Pferdekutschen konnten wir Dank unserer Fahrräder links liegen lassen.

Hatte das Wetter unseren Weg bisher staubfrei gehalten, so riss die Wolkendecke genau für ca. eine Stunde auf und das Sönnchen ließ die blühende Heide leuchten, als wir den höchsten Punkt unseres Weges in der Heide erreicht hatten. Wir empfanden dies als großes Geschenk!

Die Wege durch die Heide sind durchgängig mit Kopfsteinpflaster ausgelegt. Abseits davon gibt es zum Glück feste Trampelpfade für Fußgänger und Radler. Leider waren heute viele hörgeschädigte, egoistische Fußgänger in der Heide unterwegs.

Sonnenschein in der Heide

Sonnenschein in  der Heide

Lüneburger Heide

59 Minuten Sonne in der Heide

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