Meseta geschafft

Tag 38 Calzadilla de la Cueza – Sahagun 22,4 km

Tag 37 Carrion de los Condes – Calzadilla de la Cueza 16,8 km

Tag 36 Fromista – Carrion de los Condes 20,7 km

Donnerstag, 2. Juli 2015, Tag 38

Während unsere Lieben in Köln bei Temperaturen bis 37° C auf eine harte Probe gestellt werden, durften wir einen der schönsten Tage bisher erleben. Als wir unsere Unterkunft um 7.20 Uhr verließen, zeigte das Thermometer frische 15° C an und erreichte bis 13.15 Uhr als wir unsere nächste Unterkunft erreichten, angenehme 26° C. Dazu zogen im frischen Wind, der uns stetig ins Gesicht blies, schneeweiße Schäfchenwolken zügig am Himmel und schenkten uns immer wieder kurzfristigen Schatten, den uns die fehlenden Bäume am Wegerand vermissen ließen.

Die Meseta verlor heute ihren Schrecken für uns, wurde doch die endlose Weite durch die ersten Hügel gebrochen. Mit den ersten Hügeln veränderte sich auch wieder die Landschaft. Dominierten in den letzten Tagen die Getreidefelder und sorgten mit ihrem goldbraun für ein eintöniges, ermüdendes Landschaftsbild, das auch die vereinzelten Baumgruppen nicht zu durchbrechen vermochten. Waren die Parzellen bisher riesig gewesen, wurden sie jetzt kleiner, überschaubarer und abwechslungsreicher. Hatte sich bisher lediglich mal die Getreideart geändert, änderte sich jetzt alles. Abgeerntete Getreidefelder standen neben noch nicht abgeernteten Getreidefeldern, Grasland stand neben trocknendem Heu, das seinen würzigen Duft verbreitete, riesige, noch grüne Sonnenblumenfelder wechselten sich mit bereits zaghaft blühenden Sonnenblumenfeldern ab. Dazwischen immer wieder bereits umgemachte oder bereits gepflügte Felder, die in ihren unterschiedlichen Braun- bis Rottönen für ein abgerundetes Farbbild sorgten.

Es war reine Freue, die Natur auf dem 22 km Spaziergang so zu erleben. Auch hatten wir durch unseren späteren Start heute Morgen, ein Zeitfenster erwischt, in dem nur Wenige unterwegs waren. Ich hatte gestern Abend noch spät die lokalen Wetterdaten abgerufen und ob der kühleren Temperaturen einen späteren Start für heute vorgeschlagen. Vermutlich waren viele heute durch den plötzlichen, aber angenehmen Temperatursturz überrascht worden, als sie wieder zur frühen Stunde aufbrachen, um der Hitze zu entgehen.

Als wir um 13.15 Uhr an unserer Unterkunft ankamen, genehmigten wir uns, nachdem wir unsere Rucksäcke im Zimmer verstaut hatten und die schweren Wanderschuhe mit leichten, luftigen Sandalen getauscht hatten, ein kühles, erfrischendes Radler. Dazu vier Sorten Tappas und der Mittag war gerettet. So kann, darf, sollte es weitergehen. Nach einem erholsamen Mittagsschläfchen und dem täglichen Wäschewaschen erkundeten wir bei einem Spaziergang noch die Sehenswürdigkeiten Sahaguns, bevor wir uns das Abendessen schmecken ließen. Bei der obligatorischen Flasche Rotwein ließen wir den Tag ausklingen.

Mittwoch, 01. Juli 2015, Tag 37

Auf Grund der doch geringen Distanz unserer heutigen Etappe, machten wir uns erst um 7.15 Uhr auf den Weg. Frühstück gab es wieder nicht, das Restaurant öffnet erst um 8.00 Uhr. Wieder mit Banane und Nektarine bewaffnet, geht es auf einen ätzenden Weg. Zwar sehen wir Bäume, aber keinen der uns etwas Schatten spenden könnte. Dazu führt der Weg immer gerade aus. Mal gerade zwei kleine Krümmungen, die verhindern, dass wir unser Ziel nicht schon mehr als eine Stunde vor erreichen sehen können. Dazu die unendliche Weite der Meseta. Man kommt sich wie eine Ameise auf einer Ameisenstraße vor.

Unsere Unterkunft erreichten wir bereits um 11.15 Uhr. Zum Glück hatten wir reserviert, denn viele andere Pilger hatten die gleiche Idee wie wir und wollten hier die heutige Tour beenden. Es gibt zwar in den nächsten Orten Unterkünfte, aber nur die von uns nicht geliebten Massenunterkünfte. Das nächste Hostal ist in ca 22 km in Sahagun, für heute noch zu weit.

Bemerkenswert war heute der Canada Real Leonesa, ein ca. 50 Meter breiter überregionaler Viehtriebweg. Auf diesen Canadas wurden einst Weidetiere aus dem trockenen und heißen Süden Spaniens, zu den Sommerweiden nach Norden und im Herbst wieder zurück getrieben.

Der Ort Calzadilla de la Cueza ist ein kleines gottverlassenes Nest, in dem nichts zu besichtigen oder zu tun ist. Selbst das Internet versagt meistens seinen Dienst. Also vertreiben wir uns die Zeit mit Schlafen und Lesen.

Dienstag, 30. Juni 2015 Tag 36

Bereits um 6.00 Uhr starten wir unseren heutigen langweiligen Weg, immer an einer Straße entlang. Da unsere Unterkunft erst Frühstück ab 8.00 Uhr anbietet, entscheiden wir uns für Banane und Nektarine aus der Hand. Wir wollen wieder so früh unterwegs sein, da Temperaturen bis 38° C gemeldet sind.

So erreichen wir den Ort Carrion de los Condes bereits um 12.00 Uhr. In der Bar am Dorfplatz genehmigen wir uns erst einmal ein großes Radler, unsere Unterkunft hat erst ab 13.00 Uhr Einlass. Nach einchecken, frisch machen, einem weiteren Radler halten wir erst einmal Siesta bis 16.00 Uhr. Danach steht die ausgiebige Besichtigung des königlichen Klosters von San Zoilo auf unserem Programm. Mit einem vorzüglichen Abendessen und einer noch besseren Flasche Rioja lassen wir den Tag ausklingen.

Ameisenstraße  auf der Ameisenstraßen

wechselnde Farben  wechelndes Farbenspiel

Sonnenblumenfeld  Sonnenblumen lachen uns entgegen

Kuriositäten am Wegrand  naja, Kuriosität am Wegesrand

roter Vollmond  Hilfe, roter Vollmond, vielleicht ärgere ich mich deshalb unentwegt über unsere Unterkunft.

Posted in Jakobsweg 2015.

Ein Kommentar

  1. 26°C – Traumhaft!

    Und das scheint eure Tour ja generell zu sein, wie schön! Der Camino gibt halt jedem, was er verdient, gelle? ;-)
    Alles Gute weiterhin!

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