Herz, Geist und Seele

Tag 45 Astorga – Rabanal del Camino 19,6 km

Tag 44 Villadangos del Paramo – Astorga 30,0 km

Donnerstag, 9. Juli 2015, Tag 45

Nachdem die letzten Tage doch etwas anstrengend und stressig waren, entschädigte der heutige Tag Herz, Geist und Seele.

Mussten wir gestern die ersten 10 Kilometer noch an der sehr lauten und vielbefahrenen Nationalstraße entlang gehen, bog der Weg dann endlich in ruhigere Gebiete ab. Es war schön anzusehen, wie schnell sich die Landschaft während einer Tagestour ändern kann. Ging es den Hügel auf der einen Seite mit Brachland und vereinzelten Büschen und Bäumen hinauf, ging es an der anderen Seite mit viele grün durch Mais- und Sonnenblumenfelder wieder hinunter. Kurzes Tal mit viel Gemüseanbau und den nächsten Hügel mit Getreide und Weinanbau wieder hinauf. Runter ging es dann durch einen locker aufgestellten Steineichenwald, der sich auch den nächsten Hang hinauf mit Aufforstungen von Kiefern abwechselte. Hinunter war dann wieder Ackerbau mit vorwiegend Getreideanbau angesagt, an deren Ende sich die Stadt Astorga an den nächsten Hang anschmiegte. Bis hierhin hätte es noch ein schöner Tag werden können, wenn in Astorga nicht die von uns favorisierten Besichtigungen wegen geschlossen ausfallen mussten. Da ärgert man sich nach anstrengenden 30 Kilometern doch gewaltig.

Zum Abendessen hatten wir uns in der Unterkunft die vielfach angepriesene Spezialität Astorgas gewünscht und mehr als dreieinhalb Stunden vorbestellt. Cocido Maragato sollte siebenerlei Fleisch mit Kohl und Kichererbsen, Suppe und Sahnepudding sein. Das aufgetischte Fleisch entsprach etwa einer Schlachtplatte mit viel Fett, geräuchertem, furztrockenem Geflügelfleisch und einer feuerscharfen Wurst. Anne hat fast nichts davon gegessen und ich habe mich an die geräucherten Rippchen gehalten. Mit etwas Senf waren sie ganz lecker und Kohl und Kichererbsen machen ja auch satt. Auf die Suppe als zweiten Gang haben wir dann verzichtet und statt Sahnepudding gab´s den von Spaniern anscheinend so geliebten, weil immer wieder vorgesetzten Flan ( Caramelpudding ). In der kalten Jahreszeit mag dieses fettreiche Essen ja ganz bekömmlich sein aber uns schlug es auf den Magen und sorgte für eine unruhige Nacht Die dazu servierte Flasche Rotwein war hingegen sehr ansprechend.

Als wir heute Morgen um kurz vor acht die Unterkunft verließen, waren wir wieder guter Dinge und die 7° C verhalfen zu einem zügigen Vorankommen. Hinter Astorga ging der Weg zwar stetig ansteigend, aber immer weiter vom Lärm und Verkehr der letzten Tage weg. Viel grün und Graslandschaft ließen den weiteren Weg in die Eichen- und Kiefernwälder, die vor uns lagen, ahnen. Ich habe lange nicht so große Gebiete gesehen, die mit Kiefern aufgeforstet werden. Leider fehlt es an größeren Bäumen und der zunächst von weitem erwartete Wald war nur Krüppelkiefer und Buschwerk. Trotzdem, die Ruhe, das beruhigende Farbenspiel und das sanfte Rauschen des Windes in den Bäumen, entschädigten für die letzten Tage.

Wir waren froh, als wir unsere Unterkunft nach knapp 20 Kilometern erreichten, denn Annes Kräfte ließen doch, ob der Anstrengungen der letzten Tage und der wenig zugeführten Kalorien, merklich nach. Nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf und der Vorfreude der ansprechende Speisekarte für das Abendessen, Pilgermenü kann uns heute gestohlen bleiben, sieht die Welt schon wieder viel besser aus. Auch an einer guten Flasche Rioja darf es heute Abend nicht fehlen.

viel Grün wartet auf uns  viel Grün wartet auf uns

Schattenspiele  Schattenspiele am Morgen

Kathedrale von Astorga  geschlossene Kathedrale von Astorga

Gaudis Bischofspalast  von Gaudi erbauter Bischofspalast in Astorga

lange Pilgerbrücke von Hospital de Orbigo  die lange Pilgerbrücke von Hospital de Orbigo

Posted in Jakobsweg 2015.

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