Doppelter Stress

Tag 50 O Cebreiro – Triacastela 22,0 km

Dienstag, 14. Juli 2015, Tag 50

Heute hatten wir es besonderst eilig. Unsere telefonische Reservierung, die der freundliche Wirt in Calzadilla de la Cueza für uns gemacht hatte, galt nur bis 15.00 Uhr. Gestern mussten wir in O Cebreiro erstmals erleben, welche Verzweiflung Pilger erleiden, die an allen Unterkünften abgewiesen werden, weil alle Betten um 18.00 Uhr belegt waren und der nächste Ort über 5 km entfernt ist. Wie wir aus Gesprächen erfahren hatten, wollten viele Pilger heute von O Cebreiro nach Triacastela wandern, wie wir auch. Als war Tempo angesagt.

Trotzdem hatten wir ein Auge für die herrliche Landschaft mit viel grün und endloser Weite. Besonderst interessant war die Zuckerwatte, die sich am frühen Morgen durch die Täler schob. Wir waren zum Glück hoch genug, um von ihr verschont zu bleiben und konnten so die frische Morgensonne genießen. Zuerst war es auch noch recht frisch auf 1300 Meter Höhe. Dies sollte sich aber schnell ändern, da wir zum Pass Alto do Polo auf 1335 Meter noch einige Höhenmeter schaffen mussten, nachdem wir den Pass Alto do San Roque mit dem Pilgerdenkmal auf 1270 Meter passiert hatten.

So genossen wir einen wunderschönen Weg durch herrliche Natur, begleitet von Glockengebimmel glücklicher Bergrinder und passierten kleine Ortschaften mit beschissenen Straßen. Kurz vor erreichen unseres Zielortes vollendeten wir dann noch den 1000. Kilometer auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Zeit hin oder her, dafür musste ein Foto inszeniert und auf einen nachfolgenden Pilger zum fotografieren gewartet werden.

Unsere Unterkunft erreichten wir dann glücklich um 13.30 Uhr. Als dann nach meinem Pass gefragt wurde, der sich immer in meinem Portemonnaie befindet, wurde ich ganz blass. Kein Pass da, Annes auch nicht. Der kann nur an der Rezeption der letzten Unterkunft liegen geblieben sein. Anruf dort durch unsere heutige Wirtin, kein Pass liegen geblieben, wo ist das scheiß Ding? Neuer Anruf in der letzten Unterkunft, vielleicht auf dem Zimmer liegen geblieben, was eigentlich nicht sein kann. Bange Minuten des Wartens, auch da kein Pass. Jetzt auf´s Zimmer und Rucksack auspacken, irgendwo muss er ja sein. Also hinter der Senora her auf´s Zimmer. Auf dem Weg dorthin greife ich in die Beintasche meiner Wanderhose – da sind sie ja, unsere Pässe, wie kommen die denn da hinein? Auf die Aufregung gab es dann erst einmal ein kühles Radler auf unserer Terrasse.

Zuckerwatte  Zuckerwatte schieb sich durch das Tal

Pilgerdenkmal  Pilgerdenkmal am Pass Alto do San Roque

traumhafte Landschaft  mal wieder eine traumhaft schöne Landschaft

800 jährige Kastanie  Anne vor einer achthundert jährigen Kastanie am Pilgerweg

Ankunftbierchen  nach dem Stress erst einmal ein Ankunftbierchen

Posted in Jakobsweg 2015.

2 Kommentare

  1. Erst einmal Gratulation zu den 1000 KM. Dann muss ich euch sagen, je länger ihr unterwegs seid desto entspannter seht ihr beiden auf den Fotos aus. Das will ich auch haben :-) . Liegt es an den Erfrischungsgetränken oder an daran das ihr zur Ruhe kommt?
    Ach, und Hans, das mit den Pässen liegt einfach am Alter :-)

  2. Mein leiber Freund Jörg,
    das entspannte Aussehen kommt von genügender Bewegung. Ich und Ruhe ….
    Und übers Alter reden wir ein ernstes Wort beim nächsten Treffen

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