Über viele Hügel musst du geh´n

Tag 24 Estella – Los Arcos 21,4 km

Tag 23 Puente la Reina – Estella 23,8 km

Donnertag, 18. Juni 2015, Tag 24

Ebenso hügelig wie es gestern war, begann auch der heutige Tag. Da nutzte auch der Weinbrunnen kurz hinter dem Ortsausgang von Estrella bei der Bodega Irache nichts, die Hügel mussten erklommen werden. Den Wein der Bodega Irache hatten wir schon in Pamplona als Flaschenwein kennen gelernt. Hier, kurz hinter Estrella war also sein Ursprung. Am Weinbrunnen werden täglich bis zu 100 Liter kostenlos den Passanten zur Verfügung gestellt. Es wird aber darum gebeten, keinen Wein in Flaschen abzufüllen, damit viele das Angebot nutzen können. Für mehr als einen Schluck war es uns um kurz vor neun Uhr aber noch zu früh und der noch zurück zu legende Weg zu weit.

Nachdem wir in Villamayor de Monjardin gegen 11.00 Uhr eine kurze Kaffeepause eingelegt hatten, überschritten wir den höchsten Punkt der heutigen Hügel. Es war ein beeindruckender Blick in die weite Landschaft, deren Hügel jetzt flacher und sanfter wurden. Die Landschaft veränderte sich zusehends. Riesige Getreidefelder wogten an den sanften Hängen, ab und an unterbrochen von großen Feldern mit Weinstöcken oder Olivenbäumen. Der Baumbestand ging bis auf wenige Bereiche zurück und uns fehlten die Schattenspender an den Wegen.

Gegen 13.30 Uhr ereichten wir bereits Los Arcos. Bei der Pause auf dem Kirchplatz, mit einem erfrischenden Clara (Radler), gesellten sich auch eine Australierin mit Tochter zu uns, die wir bereits am Vorabend beim Abendessen kennen gelernt hatten. Wir tauschten uns über viele Themen aus und die Zeit verging viel zu schnell. Zum Glück hatten wir es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft.

Mittwoch, 17. Juni 2015, Tag 23

Den ganzen Tag hatte ich die Melodie von „Über sieben Brücken …“ im Kopf, aber mit dem eigenen Text „Über viele Hügel musst du geh´n“. Landschaftlich war die Streckenführung sehr reizvoll, aber recht anspruchsvoll. Immer wieder kurze aber heftige Anstiege und an der anderen Seite genau so steil wieder hinunter. Besonderst gefallen haben mir die vielen Farben und Formen der Blüten am Wegesrand. Ebenso wechselte laufend der Duft in der Luft von fruchtig blumig zu herzhaft würzig.

Etwas schwierig zu gehen, aber dafür bemerkenswert, war das kurze geschichtsträchtige Stück Pilgerstraße, deren Pflasterung noch aus der Römerzeit stammte. Wie viele Pilger hier wohl schon gelaufen waren?

Unsere Unterkunft in Estrella erreichten wir bereits um 15.15 Uhr. Schnell hatten wir uns frisch gemacht und unsere tägliche Wäsche erledigt, waren wir auch schon wieder auf dem Weg, zurück in den Ort. Wir wollten nicht nur Estrella besichtigen, sondern auch die Kathedrale Le Puy, die von französischen Siedlern nach dem Vorbild von Le Puy in Südfrankreich hier errichtet worden war. Wie in Südfrankreich war auch hier die Kathedrale über viele Treppenstufen zu erreichen.

Römerpflaster  gepflasteter Weg, schon aus der Römerzeit

Weinbrunnen Irache Anne am Weinbrunnen, kurz hinter Estrella

Anne am Weinbrunnen  am frühen Vormittag schmeckt Wein auch aus der hohlen Hand

hinter Villamayor de Monjardin  offenes Land hinter Villamayor de Monjardin

Posted in Jakobsweg 2015.

6 Kommentare

  1. Beschwerlich muss ein Pilgerweg schon sein, sonst wäre er kein Pilgerweg. Noch lassen aktuelle Beschreibungen keine Zweifel über den richtigen Weg wachsen, aber wenn der Pilgerstrom zunimmt, ist eine Überprüfung der Route angeraten. Erinnert sei an das auf das Matthäus-Evangelium (Kapitel 7, Vers 13/14) zurückzuführende Bild vom schmalen und breiten Weg:
    “Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen.
    Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden!”
    Ihr befindet Euch auf dem Weg in Richtung Himmel. Gibt es einen besseren Trost für alle Beschwernis?

  2. und um es mit Marlon Brando zu sagen
    “Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.”
    Ihr seid spitze, wieviel Flaschen Wein hast Du denn mitgenommen vom Weinbrunnen? :-)

  3. Liebe Anne, lieber Hans,
    es macht Spaß auf Eurer Seite zu verfolgen, wie gut Ihr vorwärts kommt. Weiterhin einen schönen Weg. Herzliche Camino-Grüße
    Barbara

  4. Hallo liebe Anne, lieber Hans,
    habe erst heute eure Seite entdeckt…… Leider sind wir selten im Netz. Sind in Hongkong. Am Nachmittag fährt das Schiff Richtung Xiamen und dann kommt schon die Endstation Shanghai. Die 2 Monate sind wie im Fluge vergangen.
    Euch noch eine wunderschöne Zeit trotz mancher Strapazen.
    Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Old Germany.
    Liebe Grüße Evelyne und Helmut

  5. Hallo Anne und Hans, ein bißchen beneiden wir euch, auch wenn es sicherlich z.T. sehr strapaziös ist, diesen Weg zu laufen. Horst und ich hätten es uns eher überlegen müssen, diese Strecke zu “wandern”. Jetzt könnten wir es evtl. aus Altersgründen nicht mehr schaffen. Wir haben sehr viel über den Jakobsweg gelesen und auch gehört, kennen einige, die ihn auch gelaufen sind und “begeistert” berichtet haben.
    Euch für die weitere Strecke unsere besten Wünsche, Hildegard und Horst aus Nordhorn

    PS: Diesmal bekommt ihr keinen Strohhut von uns…..

  6. Habe ich das richtig verstanden: ihr geht nicht den Rotwein Wanderweg, oder?
    Weiterhin gutes Gelingen und wenig Blasen!
    LG FJ u M

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