Tag 6 bis Tag 10

Tag 6 Marsolan – Condom 23,8 km

Tag 7 Condom – Lamothe 28,1 km

Tag 8 Lamothe – Nogaro 32,2 km

Tag 9 Nogaro – Aire sur l´Adour 25,0 km

Tag 10 Ruhetag in Aire sur l´Adour

Tag 6 versprach mit geplanten 21 km etwas ruhiger zu werden. Also ließen wir uns morgens für alles etwas mehr Zeit und kamen erst gegen 8.30 Uhr auf Tour. Das Wetter versprach angenehm und schön zu werden und so entschlossen wir uns, die etwas längere Tour über La Romieu zu nehmen. In La Romieu kamen wir kurz vor 11.00 Uhr an und machten erst einmal Pause in einem Cafè. Auch für die Besichtigung der gotischen Kirche Saint Pierre und dem Kreuzgang ließen wir uns viel Zeit. Als wir die Anlage um 12.00 Uhr wegen der Mittagspause verlassen mussten, setzten wir uns auf eine Bank auf dem Marktplatz und machten erst einmal Picknick. In der Zwischenzeit wurde es immer heißer, aber im Schatten und in der Kirche merkten wir nichts davon. So wurden die letzten Kilometer nach Condom wegen der Hitze doch sehr beschwerlich. In unserer Unterkunft fütterte ich als erstes die Waschmaschine. Das Abendessen nahmen wir nach Besuch der Kathedrale und dem Standbild der drei Musketiere plus d´Artagnan aus Condom plus Anne us Kölle in einem Restaurant ein, da unsere Unterkunft kein Abendessen anbot.

Der Weg nach Lamothe führte wie der am Vortag über viele Hügel entlang Getreide- und Sonnenblumenfeldern. Vereinzelt waren auch Maisfelder anzutreffen. Zuerst dachten wir, wie schön es doch im Spätsommer hier zu laufen wäre bei all den blühenden Feldern. Später ging uns doch auf, dass man durch grüne Tunnel läuft und von der Landschaft nichts mitbekommt. Also lieber jetzt laufen. Besonderst genossen wir die Passagen durch Wälder oder wenigstens mit ein paar Bäumen am Straßen- oder Wegrand, denn die Sonne knallte vom Wolkenlosen Himmel und schenkte uns Temperaturen von über 30° C. Um so entsetzter waren wir, als wir an unserer vermeintlichen Unterkunft ankamen und auf einem Plastikstuhl einen Zettel vorvanden, auf dem Madame mitteilte, heute keine Gäste empfangen zu können. Darunter die Namen derer, die reserviert hatten. Madame hatte zum Glück eine Ausweichunterkunft einen Kilometer von Weg entfernt für uns fest gemacht. Doch jeder Kilometer über 25 schmerzt, zumal wir diesen am nächsten Tag auch wieder laufen mussten. Entlohnt wurden wir mit einer netten Gemeinschaft in der Unterkunft, denn alle hatte das gleiche Schicksal ereilt und manche bekamen noch nicht einmal das gebuchte Einzelzimmer oder Milena musste sich gar mit dem Sofa zufrieden geben. Trotzdem haben wir noch viel gelacht.

Der Weg nach Nogaro verlängerte sich erst einmal um besagten Kilometer. Aus Maisfeldern wurden jetzt riesige Weinberge. Auf der einen Seite den Hügel rauf und auf der anderen wieder hinunter. Vom Profil war der Weg nicht so anstrengend aber in Nogaro hatten wir mit Blasen an den Füßen nach 31 km die Schnauze gestrichen voll. Für die restlichen vier Kilometer bis zur Unterkunft bestellten wir uns lieber die moderne Variante des Eselkarrens und genehmigten uns in der Wartezeit ein großes Panaché (Radler). Was für ein Genuss. Der Anruf in der Unterkunft während der Wartezeit auf den Eselskarren, dass wir noch kommen (es war kurz vor 18.00 Uhr), ergab, dass wir das Taxi zu früh bestellt hatten. Der Herbergsvater war gerade auf dem Weg in unserer Nachbarschaft zwei andere Pilger abzuholen. (Wer et hät jewoss, der et hät gedonn, frei nach Jan von Werth) In der Herberge, ein ehemaliges Hotel, wurden wir fürstlich versorgt. Das uns zugeteilte Vierbettzimmer war ballsaalartig groß, der Herbergsvater fütterte für uns die Waschmaschine und das Abendessen hatte Gourmetqualität. Leider hielt der Herbergsvater nach dem Essen noch eine fast halbstündige Ansprache, von der selbst Anne wegen schlechter Aussprache nur die Hälfte verstand.

Der Weg nach Aire sur l´Adour war dann vom Streckenprofil sehr angenehm. Er führte durch viele Waldstücke, entlang baumbestückter Landstraßen und war dazu noch wenig hügelig. An einer stillgelegten Bahntrasse, der wir einige Zeit folgten, war zudem ein netter Rastplatz eingerichtet. Hier trafen wir, bei einer längeren Pause, nach und nach viele bekannte Gesichter. Es wurde viel gescherzt und gelacht. Der weitere Weg wurde dann doch noch recht beschwerlich, denn die Blasen an den Füßen machten sich stark bemerkbar. Nach Ankunft im Hotel, ja, wir leisten uns hier für den Ruhetag ein Hotel, suchten wir noch eine Apotheke für weitere Blasenmittel auf. Die freundliche Madame bestätigte uns, dass die Blasen auch etwas mit den heißen Temperaturen und dem daraus resultierenden Schwitzen zu tun habe.

Den heutigen Ruhetag haben wir für Besichtigung des Ortes, einen ersten Bericht am Fluss schreiben, Blasenpflege, lecker Essen und zusätzliche Stunden Schlaf genutzt. Diesen Bericht habe ich auf dem Bett liegend geschrieben. Jetzt ist für heute genug, denn es ist wieder Zeit, zum Abendessen zu gehen. Ruhetage haben etwas Feines, aber morgen geht´s weiter.

ULTREIA!!!

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Posted in Jakobsweg 2015.

Ein Kommentar

  1. Auf Überraschungen muss man offensichtlich – trotz Vorbuchung – immer gefasst sein. Annes Französischkenntnisse navigieren euch durch alle widrigen Pilgerpassagen hindurch, sei es die Mitteilung der unpässlichen Madame oder die Abendpredigt des Monsieur.
    Aber wenn das gute Compeed-Blasenpflaster der Ergänzung durch weitere Blasenmittel bedarf – dann kann man sich schon denken, wie es euren Füßen geht und was ihr erdulden müsst!
    buen camino – bonne route – auf geht’s!

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