Sich schnell verändernde Landschaften

Tag 27 Najera – Santo Domingo de la Calzada 21,6 km

Tag 26 Logrono – Najera 30,8 km

Tag 25 Los Arcos – Logrono 28,3 km

Sonntag, 21. Juni 2015, Tag 24

Nach den beiden doch recht anstrengenden Etappen nach Logrono und Najera kamen wir heute recht locker um 15.30 Uhr in unserer Unterkunft in Santo Domingo de la Calzada an. Wir waren zwar wieder um 8.00 Uhr gestartet, hatten aber unterwegs einige Pausen und eine extra lange Mittagspause eingelegt. Die Sonne scheint schon seit drei Tagen vom wolkenlosen blauen Himmel. So steigt die Temperatur jeden Tag ein wenig mehr, auf jetzt bis zu 30° C. Da freut man sich über die wenigen schattenspendenden Bäume am Wegesrand. Für unsere Mittagspause hatten wir eine schattige Bank in einem kleinen Park in Ciruena gefunden.

Kurze Zeit vorher waren wir durch eine Siedlung gekommen, die nach einer Feriensiedlung der besonderen Art aussah. Golfplatz, Schwimmbad, Tennisplätze, großzügige Spielplätze und Grünanlagen waren vorhanden, doch kaum Menschen. An etwa 80 bis 90% der Häuser und Wohnungen waren die Rollläden geschlossen und an ca. 50% der Häuser war ein Schild angebracht, zu Vermieten oder zu Verkaufen. Da war wohl etwas kräftig schief gelaufen.

Die Landschaft wechselte in den letzten Tag zum Teil mit jedem überschrittenen Hügel. Waren es nach Los Arcos noch goldene, im leichten Wind wogende Getreidefelder, so wurde es nach der nächsten Hügelkuppe grün soweit das Auge reichte. Weinstöcke wechselten sich mit wilden Grünflächen und Pinienwäldern ab, wir waren im Rioja angekommen. Ab und zu waren auch Olivenhaine auszumachen. Die Hügelhänge wurden immer zerklüfteter und die Felder immer steiniger. Den Weinstöcken machen solche Verhältnisse wenig aus, werden sie zusätzlich mit Wasser aus endlosen Gießrohren versorgt. Interessant finde ich, dass die Weinstöcke mal als klein geschnittene Einzelstöcke stehen und mal wie bei uns bekannt an Drähte gebunden. Die endlosen Reihen werden anscheinend nur maschinell bearbeitet.

Heute änderte sich die Landschaft hinter Najera wieder. Die Hänge wurden wieder weiter und sanfter und gleich ging der Weinanbau zu Gunsten von Getreide zurück. Aber auch Rüben (Zuckerrüben?), Erbsen und sogar Hopfen wurde im großen Stiel angebaut. Aber ohne Bewässerung geht hier scheinbar nichts. Immer wieder kamen wir an motorbetriebenen Pumpen vorbei, die das Wasser in endlose Kanäle pumpten.

Santo Domingo de la Calzada ist berühmt für seinen lebenden Hahn mit seiner Henne in einem Käfig in der Kathedrale.

Nachtrag vom Montag, 22.06.2015

Karlheinz hat in seinem Komentar die Legende vom Hahn und der Henne genau so wiedergegeben, wie sie im Flyer zur Erklärung der Sehenswürdigkeiten der Kathedrale abgedruckt ist. Vielen Dank dafür.

In einem Kloster in der Nähe werden die weißen Hähne und weißen Hühner gehalten. Die Tiere in der Kathedrale werden alle 14 Tage ausgetauscht.

Hühnerstall Sto Domingo de la Calzada Hühnerstall in der Kathedrale Sto Domingo de la Calzada

der Hahn im Stall der Hahn in seinem Stall

Skulptur vor Sto Domingo de la Calzada Brunnenskulptur in Sto Domingo de la Calzada

erbsen und Hopfen Erbsen- und Hopfenfeld auf dem Weg nach Sto Domingo de la Calzada

 

Posted in Jakobsweg 2015.

4 Kommentare

  1. Den Hintergrund vom Hühnerpaar in der Kathedrale habt ihr verschwiegen. Wie so oft, kursieren auch von der “Hühnerlegende” mehrere Versionen. Die im deutschen Sprachraum bekannteste Version lautet ungefär so:

    Eine Familie aus Xanten am Niederrhein(!) nacht auf ihrer Pilgerreise nach Santiagio de Compostela in Santo Domingo de la Cazalda Station, um in einem Gasthaus zu übernachten. Die scharfe Wirtstochter hat es auf den Sohn der Familie abgesehen. Der fromm-keusche (oder verklemmte?) Sohn weist die Verführungsversuche der Wirtstochter zurück. Die brüskierte Wirtstochter sinnt auf Rache und versteckt einen Silberbecher in seinem Gepäck. Nach der Abreise der Pilger bemerkt der Wirt den Diebstahl. Er schickt die Stadtbüttel hinterher, die auch prompt den Becher finden. Der fromme junge Pilger aus Xanten wird nach kurzem Prozess gehängt. Die Eltern setzen ihre Pilgerreise fort.

    Auf ihrem Rückweg kommen die Eltern am Galgen vorbei. Der Sohn spricht sie an und erklärt, dass er nicht tot sei, weil er von Jakobus am Leben erhalten wurde. Die Eltern eilen zum Richter, der gerade beim Essen vor einem Teller gebratener Hühner sitzt. Er glaubt den Eltern nicht und erklärt, dass der Sohn so tot sei wie die gebratenen Hühner auf seinem Teller, worauf die Hühner mit Gegacker davon flattern. Darauhin wird der keusche Sohn ab- und die geile Wirtstochter aufgehängt. Die Familie zieht weiter und kehrt glücklich nach Xanten zurück.

    Seit dieser Zeit werden in der Kathedrale von Santo Domingo de la Cazalda ein weißer Hahn und eine weiße Henne in einem Käfig gehalten.

    Aus dieser Legende können wir erneut viel Kluges lernen. Ihr solltet jedoch vorsichtig sein. Santo Domingo de la Cazalda ist ein heißes Pflaster. Außerdem ist Xanten nicht weit von Köln entfernt und teilt mit Köln eine gemeinsame Römergeschichte. Das erfordert doppelte Vorsicht!

    • Lieber Karlheinz,
      vielen Dank für deine gute Recherche zur Hühnerlegende. Genau so wird sie auch im Flyer zur Erklärung der Kathedrale erzählt. Ich war gestern Abend zu müde, bequem oder zu faul oder oder oder die Legende noch zu schreiben. Zum Fotos hochladen hat es auch nicht mehr gereicht. Fotos werden gleich nachgeliefert.

  2. Hallo Ihr Lieben,
    die gestrige Überraschung war Euch wirklich gelungen. Besonders Dir Danke , Anne. Puh, Ihr macht ja wirklich anstrengende und lange Touren… uff.. bewundernswert.!!!
    Ich glaube, dass ich täglich weniger laufen würde.
    Schön, dass Ihr viele unterschiedliche Landschaften seht. Die Hitze ist nicht zu viel???
    Bei uns ist es richtig schön, nicht zu warm, ab u. zu mal Regen.
    Na, Euch weiterhin viel Spaß… bis bald wieder.
    Liebe Grüße
    Annemarie
    PS: hoffentlich funktioniert es

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