Erstmal „Hallo“ zusammen!

DonkeykleinNach über 600 getrabten Kilometern melde ich mich nun auch mal zu Wort. Es war für mich – abgesehen von den Hitzewellen – eine angenehme Unternehmung: sitze ich doch sehr bequem mit Rundumblick in der Seitentasche von Annes Rucksack. Insgesamt sind wir ein trautes Team, das zufrieden vor sich hin trottet. Regen hat sich bisher wenig herabgelassen, dafür brüllt die Sonne umso mehr. In Frankreich haben die Kühe das Privileg, bei großer Hitze im Stall, sprich im Schatten, stehen zu dürfen. Wir talpen durch die Hitze und ich muss mir die verwunderten Blicke und erstaunten Kommentare meiner Mittiere anhören. Nicht immer schmeichelhafte Worte! Aber wir haben ja ein Ziel, bei Regen, Wind und Wetter – auch bei Sonne und überhaupt: Wetter ist immer!

Auf der Etappe über die Pyrenäen haben wir kaum etwas gesehen, da der Nebel alles einhüllte. Die Landschaft soll ja schön sein, … aber wenn man nix sieht… Dafür haben wir viel Gebimmel und Geblöke gehört. Als sich die Tonlage der Glocken einmal änderte, meinte Hans, dass jetzt wohl auch Kühe unterwegs seien. Das prompt aus dergleichen Richtung folgende Schafsgeblöke wurde von Hans dann so interpretiert, dass die Kühe hier wohl Migrationshintergrund hätten und zweisprachig aufgewachsen seien. Na denn!

A propos Sprache: in Frankreich fühlte sich Anne sprachlich auf sicherem Terrain. Hans war dann manchmal wirklich arm dran. Anne parliert dann wie eine Weltmeisterin und vergisst zu übersetzen. Das führt manchmal zu atmosphärischen Störungen. Kann ich verstehen! Gott sei Dank bedienen sich Esel ja einer internationalen Sprache, was die Kommunikation doch sehr erleichtert.

Leider hat sich meine Hoffnung, auf dieser Tour viele meiner Verwandten zu treffen, bisher nicht erfüllt. Kurz vor Logrono traf ich zwei junge Leute, die mit einem vollgepackten Verwandten auf dem Rückweg nach Deutschland waren. Ein weiteres Exemplar war in der Sonne Spaniens bereits zu Beton erstarrt und fristete sein grinsendes Dasein in einem Vorgarten.

Das heiße Wetter hier in Spanien lässt den Pelz brennen!!! Die Blasen suchen sich immer wieder Annes Füße aus, um ihre Pracht zu entfalten. Die tollste Blase erreichte die Größe eines halben Hühnereies. Anne findet das überhaupt nicht witzig, aber alle Fußpflege, Behandlungen mit Hirschtalg, Fußbalsam und weiteren Cremes halten die Füße nicht davon ab, bei jeder Blasenverteilung wieder „Hier“ zu schreien! In diesen Breitengraden nützt Compeed allein leider nichts mehr. Im Übrigen habe ich noch nie so viele Knie-, Fuß-, Rücken- und Hüftkranke durch die Gegend wackeln sehen, wie auf dieser Tour. Es gibt offensichtlich mehr Menschen, die heilig werden wollen, als man annimmt. Ich glaub zwar nicht, dass das auf diese Weise klappt, aber wer weiß…

Was das Essen angeht, beobachte ich Interessantes: meine beiden Compagnons essen, was sie wollen. Auch Dinge, die zuhause auf dem Index stehen wie z.B. Croissants, fette Braten sowie Süßspeisen aller Art und Wein und Bier werden mit Genuss gegessen und getrunken. Das Wort „Kalorien“ ist ganz offensichtlich nicht mehr bekannt. Ein erstes Wunder in diesem Zusammenhang: die Bäuche schwinden trotzdem! Die täglich gerne konsumierten Cafe con leche (man kann auch sagen „Milchkaffee“) rufen Orchester auf den Plan: die Spanier meinen es gut mit uns und benutzen ganz schön fette Milch. Diese Milch sorgt für Irritationen in den Bäuchen von Anne und Hans und prompt wird die Wanderung von zwei Posaunenorchestern begleitet: Hans hat das Orchester mit den tiefen, vollen Tönen und Anne das mit den hellen, manchmal quietschigen Tönen abonniert.

Seit wir in Spanien unterwegs sind, vervollkommnet Hans nach eigenen Aussagen seine Spanischkenntnisse. Er kann inzwischen unfallfrei „olà“, „gracias“, „dos cafe con leche“ und „dos cervezas con limon“ sagen. Ansonsten behelfen wir uns mit der Drittsprache Englisch. Klappt ganz gut.

Bis die Tage grüßt Donkey

IAAAA!

schwer bepackt schwer bepackt auf dem Weg zurück nach Deutschland

da war er zu Stein geworden in Stein erstarrt

Posted in Jakobsweg 2015.

Ein Kommentar

  1. Hola Donkey :-) ich grüße dich und natürlich deine zwei Mitwanderer und Träger,
    dachte schon, sie hätten dich zu Hause vergessen! Schön zu höhren, dass es auch dir gut geht. Ganz schön flott unterwegs deine Manschaft. Und das bei solchen Temperaturen – puh – Bei uns steigt das Termometer auch stetig und wir sollen Samstag die 40 Grad knacken. Mal sehen, wie das so wird. Ich wünsche dir und den deinen, weiterhin einen frohen Weg, immer ein Liedchen auf den Lippen, viel frisches Wasser, Wein und Bier und eine schöne Portion Stroh für DICH :-)
    Liebe Grüße, vun dä schäl Sick, adios amigos…….Gaby

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