Ein fast perfekter Tag

Tag 18 St. Jean Pied de Port – Roncesvalles 26,7 km

Freitag, 12.06.2015, Tag 18

Bereits um 7.15 Uhr stehen wir abmarschbereit auf der Straße vor unserer Unterkunft. Wir hatten uns vorgenommen, früh loszugehen, um genügend Zeit für Pausen zu haben. Vor den 1400 Meter Steigung haben wir schon großen Respekt, die 26 Kilometer sind wir inzwischen gewohnt zu laufen.

Jetzt noch schnell beim Bäcker Brot besorgen, wir hatten ihn bereits am Vortag aufgesucht und nach den Öffnungszeiten geschaut. Obst, Wurst und Käse hatten wir auch schon am Vortag besorgt. Obwohl groß auf der Eingangstür stand: Geöffnet ab 6.30 Uhr, war der Laden noch geschlossen. Dann schmeckt die Wurst halt ohne Brot.

Langsam aber stetig beginnen wir bereits mit durchschreiten des Stadttores den Aufstieg. Viele andere Pilger sind bereits auf dem Weg, manche schneller manche langsamer als wir. Wir finden recht schnell unseren Rhythmus, die bereits gelaufenen 300 km zeigen Wirkung.

Um 9.25 Uhr erreichen wir nach 7,6 km und 570 gestiegenen Höhenmeter die Hütte d´Orisson,die auf 770 Metern Höhe liegt. Hier gönnen wir uns 20 Minuten Pause bei einer Tasse Kaffee, Nüssen und Rosinen. Das Kraftfutter haben wir als schnelle Energie immer dabei. Länger halten wir es vor der Hütte aber auch nicht aus, da wir durch das nasskalte Wetter trotz Jacke schnell auskühlen. Es ist so nebelig, dass die Sicht von Anfangs ca. 300 Meter je höher wir kommen bis auf ca. 50 – 80 Metern zurück geht. Zum Glück regnet es nicht, aber eine schöne Aussicht haben wir auch nicht.

So gehen wir langsam und stetig weiter und erreichen bereits um 10.55 Uhr bei km 12,3 und einer Höhe von 1125 Metern Halbzeit. Wir sind ganz überrascht wie gut es immer noch vorangeht. Um 12.10 Uhr überschreiten wir bei km 16,4 und einer Höhe von 1294 Metern die französisch – spanische Grenze. Ein Stein markiert die Stelle und die Markierung wechselt die Farbe, sonst nichts. Eine halbe Stunde Picknickpause gönnen wir uns um 12.55 Uhr bei km 19,5 und 1325 Meter Höhe an einer geschlossenen Hütte. Ein Hinweis kurz hinter der Grenze versprach hier Kaffee und Suppe. Länger ist auf Grund der niedrigen Temperaturen und leichtem Donnergrollen in der Ferne nicht angebracht. Der Nebel bricht hier für ein paar Minuten auf und schenkt uns schönstes Bergpanorama.

Den höchsten Punkt erreichen wir um 13.50 bei km 21,1 mit einer Höhe von 1433 Metern am Leopolder. Wir haben bis hierhin 5:13 Stunden reine Gehzeit, 1391 Höhenmeter aufwärts und 139 Höhenmeter abwärts absolviert. Für den Weg nach Roncesvalles wählen wir die Alternativroute. Der Originalweg ist zwar etwas kürzer, aber mit durchschnittlich 28% Gefälle viel zu steil für uns. Die Angabe des durchschnittlichen Gefälles habe ich einem Schild an der Abzweigung entnommen. Lieber etwas weiter laufen, als die Hüften noch mehr zu belasten.

Um 15.15 Uhr erreichten wir in einer Gewitterschauer unser heutiges Quartier. 500 Meter vor dem Ziel musste es uns doch noch erwischen. Der Tag hätte perfekt sein können, wenn wir etwas von der laut Beschreibungen tollen Landschaft gesehen hätten. Trotzdem sind wir froh, dankbar und sehr glücklich die 26,7 Kilometer in 6:29 Stunden reiner Gehzeit geschafft zu haben. Für die fleißigen Rechner daheim, das sind 4,1 km in der Stunde.

Profil nach Roncesvalles

unser heute gewandertes Höhenprofil

 

 

 

 

 

 

Posted in Jakobsweg 2015.

2 Kommentare

  1. Ein besonders denk- und erinnerungswürdiger Tag, weit entfernt von Tagen wie viele andere! Hänschen Rosenthal hätte gesagt “Ihr seid Spitze!”. Natürlich hätte er Recht gehabt, aber das Rechthaben nebensächlich gegenüber allen Emotionen, die sich mit solchen Erlebnissen einstellen. Unkomfortable und grenzwertige Umstände veredeln solche Erlebnisse zu besonders wertvollen Erinnerungen (aber erst im Nachhinein), die sich auch dann noch gut anfühlen, wenn der Pegel von Glückshormonen sich bereits wieder reguliert hat. Gemäß traditioneller Denkweise habt Ihr nebenher auch noch Eurer Sündenpaket deutlich verschlankt. Perfekt!

  2. Hallo liebe Anne, hallo lieber Hans,

    wir haben auf der Heimreise ganz viel an euch gedacht und euch die Daumen für die Pyrenäenüberquerung gedrückt. Es ist nun schön zu lesen, dass alles gut gegangen ist. Hut ab vor eurer Leistung.
    Viele liebe Grüße aus Ulm
    Beate

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>