Schluss mit zu heiß

Schluss! Aus! Kein Wort mehr über das viel zu warme Wetter. Wie zwei Brutzelhähnchen und –hühnchen sind wir heute61 Kilometer nach Kandawa gefahren.

Als erstes haben wir heute Europas breitesten Wasserfall mit 249 Metern von Europas längster befahrbarer Backsteinbrücke bestaunt.

Vom heutigen Weg waren wir sehr angetan. Abwechslungsreiche Landschaft aus Wiesen und Weiden mit Baumbestand, wenige Getreidefelder und immer wieder Wälder. Leider waren die Fahrbahntrassen durch die Wälder sehr breit geschlagen worden, sodass die Bäume nur selten und wenig Schatten spendeten. Die aufeinander folgenden sanften Hügel mit ihrem Landschaftsbild erinnerten uns an den Allgäu. Der Verkehr war zwar zeitweise rege, respektierte uns jedoch durch genügend Seitenabstand. Einige entgegenkommende Autofahrer, zum Teil mit Fahrrädern auf dem Dachträger, grüßten uns mit wildem Hupkonzert und heftigem Winken. An einer Bushaltestelle trafen wir einen estnischen Radfahrer bei seiner Pause. Er kam von Tallin und war auf dem Weg nach Bremen. Wir wechselten ein paar freundliche Worte und weiter ging es nach Sabile, einem Unikum dieser Radtour. In unserem Roadbook ist zu Sabile zu lesen: „ Mitten im Ort ist der laut Guinessbuch der Rekorde nördlichste Weinberg der Welt zu finden. So recht glücklich sehen die Rebstöcke auf dem einen Hektar großen Areal nicht aus, zu kaufen bekommt man den Wein auch nicht, aber es gibt Weinbergführungen und jedes Jahr am letzten Juliwochenende ein Weinfest.“

Am Ortsausgang stößt man unvermittelt auf einen Puppengarten, der auf skurrile aber liebevolle Art Dorfszenen und –typen zeigt.

Nach einem langen, kräftigen Anstieg erfreuten wir uns an einer ebenso langen und rasanten Einfahrt in unser Tagesziel Kandava.

Europas breitester Wasserfall in Kuldiga

Europas breitester Wasserfall in Kuldiga

Backsteinbrücke in Kuldiga

Europas längste befahrbare Backsteinbrücke

Weinberg in Sabile

Europas nördlichster Weinberg in Sabile

Puppengarten in Sabile

Ein Teil des Puppengartens in Sabile

Posted in Europa Radweg R1.

2 Kommentare

  1. Für den Soziologen ist der Puppengarten ein interessantes Phänomen. Auf der kanarischen Insel La Palma gibt es nämlich ebenfalls die Tradition, mit lebensechten, handgefertigten Puppen, die dort ‘Mayos’ genannt werden, Geschichten zu erzählen. Nachgestellt werden Szenen aus dem täglichen Leben, Politik, Wirtschaft, oder einfach nur aktuelle Begebenheiten, die Menschen bewegen. (Ein besonders schönes Beispiel bietet das ethnographische Museum im Casa Luján in Puntallana. Dort ist eine Dorfschule nachgestellt sowie Szenen aus dem dörflichen Leben von Männern und Frauen, natürlich strikt getrennt.)
    ‘Mayos’ können aber auch magisch-religiöse Bedeutung haben. Auf dem jährlich am 3. Mai zelebtrierten “Fiesta de Las Cruces” (Kreuzfest) haben ‘Mayos’ einiges zu erzählen. Das ‘Kreufest’ gilt als das wichtigste Fest der Insel La Palma (eine Mischung aus Wallfahrt, Karneval und Kirmes). Offiziell wird mit Prozessionen der Inselgechichte gedacht und mit dem vermeintlichen auffinden des Kreuzes in Jerusalem verknüpft. Vor allem wird aber kräftig gefeiert, wodurch natürlich soziale Kontake gestiftet oder verstärkt werden. Kulturell ist die Feier des Kreuzfestes als Maibrauchtum einzuordnen (Vertreibung des Winters und seiner bösen Geister sowie Begrüßung des Frühlings und mit ihm die Fruchbarkeit der Natur etc.), der in unterschiedlichsten kulturellen Ausprägungen bis in die Antike zurückverfolgt werden kann. (Im Rheinland ist dieses Brauchtum sehr vielfältigt.)
    Soziologen sind ‘Spürhunde sozialer Strukturen’ und fragen nach strukturellen Mustern von Puppenphänomene in Litauen und auf La Palma, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen. (Die Frage, warum Soziogen das tun, ist eine andere Geschichte, die bei anderer Gelegenheit zu erzählen wäre.)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>