Herausforderung, drücken gilt nicht

Nach einer fast schlaflosen Nacht im Pfauenzimmer, Anne musste sich mit meinem Alkoholgeschnarche und den Auswirkungen einer Hochzeitsfeier im benachbarten Festsaal auseinandersetzen, fuhren wir heute 85 Kilometer ins beschauliche Badeörtchen Pavilosta.

Nachdem wir der gestern bereits gefahrenen Hauptstraße einige Kilometer gefolgt waren, bog der Weg nach links in eine ruhigere Straße ab. Wir waren in einem Vorort von Liepaja angekommen und folgten dem neuen Radweg bis ins Hafenviertel.

Nach Überquerung einer Holzhubbrücke ereichten wir die früher geschlossene Stadt Karosta, die nur von russischem Militär und ihren Familien bewohnt war. Karosta war einer der Standorte der russischen Atom-U-Boot Flotte. Eine fünf Kilometer lange halbkreisförmige Mole umschloss den Hafen. Inmitten der herunter gekommenen Häuser sticht die orthodoxe Marienkathedrale des heiligen Nikolai von 1903, mit ihren goldenen Kuppeln als krasser Gegenpol hervor. Am Ortsausgang von Karosta fuhren wir noch an einer riesigen Datschasiedlung vorbei.

Es folgten unsere sieben Kilometer des Grauens. Wir wussten, was kam, waren darauf eingestellt und wurden trotzdem kalt erwischt. Eine Naturstraße übelsten Ausmaßes lag vor uns. Der festgefahrene Naturuntergrund war mit kurz auf einander folgenden Querrillen übersät. Zusätzlich gab es tiefe, weiche Kiesbette in Längsrichtung. Entweder man rutschte im weichen Kies hin und her und kam nicht voran, oder man wurde auf den Querrillen durchgeschüttelt, das einem Hören und Sehen verging. Ich habe über diese Strecke in der Vorbereitung der Tour schon die schlimmsten Geschichten über Stürze und Speichenbrüche gelesen. Wir sind heute heil durchgekommen, hatten dann in Saraiki die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder mindestens weitere zehn Kilometer einer solchen Naturstraße, oder die längere Distanz über die bereits beschriebene Hauptstraße. Lieber mehr Kilometer fahren, dafür aber schonender für Mensch und Material.

So ereichten wir um 16.30 Uhr Pavilosta. Beim Anblick unserer Unterkunft kam mir die Abwandlung eines alten Liedes in den Sinn: „Wir vermieten unser Oma ihr alt Häuschen …“.

die orthodoxe Marienkathedrale des heiligen Nikolai von 1903

die orthodoxe Marienkathedrale des heiligen Nikolai von 1903

Naturstraße in Lettland

Naturstraße in Lettland

unser Oma ihr klein Häuschen in Pavilosta

unser Oma ihr klein Häuschen in Pavilosta

Posted in Europa Radweg R1.

2 Kommentare

  1. Es ist ja fast unvorstellbar, dass die orthodoxe Marienkathedrale des heiligen Nikolai von 1903 so prunkvoll in der Gegend steht und der Rest………….
    Dass Ihr den Naturweg ohne Blessuren überstanden habt, ist wunderbar. Euer Durchhaltevermögen können wir nur loben. Das kleine Häuschen stand Hans doch sehr gut…..
    Weiterhin gut Tritt!

  2. Kleine Sünden bestraft der Liebe Gott bekanntlich sofort!

    Hans hat ja bereits gebeichtet: Erst ein Gelage mit 2 trinkfesten jungen Männern und dann auch noch schnarchen, gleich 2 Sünden auf dem Konto, die Buße verlangen. Diese folgte dann auch zeitnah. Ob Hans sich reuig zeigt, ist jedoch unsicher. Zumindest gesteht er seine Sünden. Das zeugt von Aufrichtigkeit!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>